Zum Baden ans Meer; die etwas andere Vatertagstour

Strava Screenshot

Den Himmelfahrtstag hatte ich bis eine Woche vorher nicht auf dem Schirm. Am Wochenende davor erfüllte ich Rainer Paffraths Bitte, die ARAL-Tankstelle in Nordhorn zu fragen, ob sie wieder als Kontrolle zur Verfügung zu stehen wollte.
Und bekam Lust, die lange Zeit bis zum 600er am 31. Mai mit einem Zwischenbrevet zu füllen. Ich bekam auch die Startfreigabe von meiner Liebsten und Rainer akzeptierte die Nachmeldung.

Also konnte ich Pläne schmieden. Ich war ja schon öfter mit dem Sturmvogel zwischen Nordhon und Bonn gependelt. Diesmal käme noch ein kleiner Umweg und eine neue Stecke hinzu. Und am Ende stünden 600 km auf meinem Konto bim Bonner Stadtradeln…

Früh aufstehen war auch angesagt. 4:00h früh Start heißt bis 3:30 die Brevetkarte abholen, heißt 2:30 in Godesberg losrollen… Dabei ließ ich mich von Routing der OSMand App auf dem Handy leiten und lernte einige enge Kurve und schmale Staßen in Bonn und Troisdorf kennen. Ich muss wirklich öfter in Spich starten, damit ich das Waldstadion alleine finde.
Also nach dem steilen Stich dorthin hinauf  waren die Formalitäten rasch erledigt und jeder wartende Randonneur bekam noch den einen oder anderen Stich in Spich verpasst- die Mücken waren auch schon wach und hatten auf uns gewartet.

Unter den ca. 30 Starten der frühen Gruppe war @Hajo Eckstein mit dem Velomobil und ein weiterer Liegeradler (Dein Name fällt mir nicht ein, sorry).

Punkt vier ging es los, der Pulk aus RRlern lag bald hinter mir und ich bald danach hinter Hajo, dessen langsam pulsierendes Rücklich im Wald vor mir langsam verschwand. Aber wir sollten uns doch noch einmal kurz sehen an diesem Tag.

Der angekündigte Regen ließ erst einmal auf sich warten und so früh am Feiertag war das dicht besidelte Stück bis Odenthal schnell ud problemlos bewältigt. Der Anstieg von Altenberg nach Blecher ließ sich auch nicht schlecht an und bald danach ging es auf der Balkantrasse weiter aufwärts. In Wermelskirchen geriet ich wieder einmal auf den Überweg über die B51 statt auf den begleitenden Radweg- an diese Stelle hatten mich dann die schnellsten Rennradler wieder eingeholt.

20180510_060719
Hinter Lennep ging die Sonne auf

Auf der rasanten Abfahrt nach Wuppertal überholte ich ein paar von ihnen wieder, aber auf der Nordbahn zogen noch mehr Randonneure an mir vorbei. -ausgerechnet an dem Drängelgitter, um das herum ich schob, verließ der Track die schöne Bahntrasse wieder, und ich merkte es erst nach ein paar hundert Metern- also noch zwei mal überflüssigerweise aussteigen 😦

Als ich dann endlich bei Ikea aus dem Wuppertal herausgeklettert war, gönnte ich mir eine Toilettenpause, einen Kaffee und ein leckeres Croissant bei einer Tankstelle.

Dann kam die geniale Abfahrt nach Witten, die ich von vorangegangenen Brevets als schier endlosen Schlussanstieg kannte- so herum machte es richtig Spaß! Langsam ware einige Auos unterwegs, aber der Verkehr war wirklich sehr moderat.

Hinter Dortmund verlor ich irgendwo den Track und geriet auf parallele feuchtigkeitsgebundene Wege mit Drängelgittern und

20180510_081001
Die Eartungsklappe war wieder ein Segen!

Schikanen. Hier fiel dann einmal die Kette vorne ab. Dank Wartungsklappe war das Schaltwerk schnell vorgespannt und die Kette wieder drauf. Allerdings überkam mich das Bedürfnis, mich noch kurz ins Gebüsch zu verziehen und „in die Nesseln zu setzen“.

Auf dem letzten Stück Wegs nach Olfen nahm der Track eine widerliche Variante mit einem löcherigen, steinigen Feldweg der mich zu lauten Schipftiraden veranlasste. Zum Glück hörte mich ja keiner. Hinter der Kontrolle in Olfen hatte ich mir ein paar velomobilaffine Straßen ausgesucht, aber gleich das erste Stück war abgesperrt. In der Tankstelle wurde ich aber beruhigt, die Straße ist fertig, nur die Markierungen fehen noch, und selbst mit dem Auto komme man an den Gittern vorbei. Und so lief es auf dem neuen Asphalt auf wunderbar. Entgegen Paffis Ansprache wurde im Münsterland jeder mögliche Anstieg mitgenommen und so gab es kurz vor Billerbeck noch einmal ein richtiges Steilstück. Der beleibte Rennradler, den ich dort traf war (noch?) kein Radonneur, der war ja selbst bergauf fast noch lagsamer, als ich. Irgenwo verpasst ich wieder einen Abzweig und geriet in eine aktive Baustelle…

So langsam kam ich in heimische Gefilde. Vor Ochtrup versiegt aber der Flüssigkeitsstrom aus meiner Trinkblase (die ich wegen der Anstiege im ersten Abschnitt auch nicht ganz voll gemacht hatte). Das verschaffte mir eine kurze Trink- und Tankpause am Bikerterff Felsenmühle. Dass die Variante zwischen Ochtrup und Bad Betheim, auf die ich neugierig war, weil ich mich anhand der Karte nicht erinnerte dort jemals langgefahren zu sein, über den MühlenBERG ging braucht ja niemnden mehr zu wundern.

In Bentheim wurde ich von einem unserer Freunde abgefangen, dem meine Liebste den Link zu Strava-Beacon weitergeleitet hatte- eine nette Übrraschung. Und so kurz vor dem heimischen Stall rannte der Vogel noch einmal so richtig gut.

Die Kontrolle in Nordhorn dauerte 10 min. weil eine kleine Schlange an der Kasse stand. Einige Randonneure kamen und gingen in dieser Zeit. Ich bog  gleich ab zum Mitagessen zu Hause- ein besonderer Luxus während eines Brevets.

Nach einer Stunde ging es weiter auf die zweite Hälft des Brevets bzw. ins zweite Drittel meiner Tour. Bis Rütenbrock fuhr ich auf bekannten Straßen geradeaus in Nordrichtung und traf dort wieder auf den Track. Auch diese Straßen kannte ich aus der Zeit wieder, wo ich Freitags nach Feierabend in Leer mit dem Rennrad nach hause gefahren war. Damals brauchte ich fast eine Stunde länger. In Leer wurde gerade (ca. 18:00h) die Jan-Berghaus-Brücke für ein Segelboot hochgeklappt.

Als es weiterging  kam mir ein Velomobil entgegegen! Hajo war schon lange wieder auf dem Heimweg- ich sollte dort erst nach sechs weiteren Stunden wieder durchkommen- dann aber in der Nacht immer wieder selber entgegenkommende Randonneure treffen- die meisten wohl aus der Startgruppe um 9:00h.

In Emden geriet ich mit der angezeiten ersten Version des Tracks noch einmal in eine Wirtschaftswegsbaustelle und kam dann hinter Emden raus, sodass ich zu meiner Kontrolle dann noch ein paar Kilometer zurücktadeln durfte. Ein alkoholfreies Weizen und indische Linsensuppe weiter ginge es dann durch Ostfriesland. der Track ging mitten durch die kleine Strässchen in Greetsiel an den Hafen. Als es dann aber unbefestigt den Deich entlang weitergehen sollte habe ich gewendet und die Straße genommen.

Schön war das Bild der vielen bunten Drachen in Norddeich am Strand. Ein Zielfoto am Bahnhof, bei dem mir eine junge Frau half und ihr Handy mit der Uhrzeit ins Bild hielt: Sie hätte mich ja heute morgen schon in Spich gesehen. Und dann kam auch schon ihr Liebster mit dem Rennrad vom Bahnsteig gerollt und sie luden sein Rad ins Auto …

Kurz vor 21:00, schnell etwas essen und trinken und dann ab nach Hause- ABER erst im dritten Lokal gabe es noch etwas aus der Küche- eine Krabbensuppe und Milchreis mit Abfelmus und Zimtzucker sollten es sein.

Danach dämmerte es draußen, ich zog mir eine langes Trikot über und den Buff wieder auf den Kopf und macht mich auf den Heimweg.

In Emden umging ich die Baustelle und fuhr mitten durch die ruhige Stadt. Zwischen Leer und Rhede kamen immer wieder Randonneure entgegen, teils einzeln, teils in kleinen Grüppchen. 24 Stunden nach dem Start hatte ich noch etwa 60 km vor mir und wurde doch ziemlich müde. Also an die Seite gefahren und ein Nickerchen gemacht (30min?). Bei Sustrum hatte ich zum verschnaufen eine Einfahrt links der Straße angepeilt und dabei mit dem Boden aufgesetzt. Das Kratzen schallte laut durch die Nacht. Kurz darauf kam (um 2:00Uhr morgens!) ein Mann mit seiner Taschenampe an: er habe etwas gehört, war sowieso noch wach und nachsehen ob etwas passiert sei? Nett! aber bei mir war ja alles in Ordnung.

20180511_044054
Die Baustelle der neuen Umgehung Nordhorns in der Morgendämmerung

Kurz vor daheim fing es links im Osten schon wieder an zu dämmern, die Vögel begannen mir Durchahlteparolen zuzurufen und kurz vor fünf war ich dann nach fast ganz genau 600 gefahrenen Kilometern zu Hause, froh über eine warme Dusche und mein Bett.

Advertisements

BRM 400 Wuppertal „Westfalenland“ 14.04.2018

Ca. 50 Randonneure hatte sich (nicht soo schrecklich) früh morgens in der Bäckerei Evertzberg eingefunden und warteten geduldig auf Andreas.
Dies sollte mein erster 400er mit der Liege statt im Velomobil werden und ich war etwas nervös. Die Routinen, was wohin gepackt und griffbereit ist lassen sich nicht einfach übertragen.
Immerhin hatte ich so gutes Wetter bestellt, dass Andreas das ganze angeblich wieder absagen wollte 😉
Hajo kam gleichzeitig mit mir am Start an, aus der liegenden Fraktion war noch Thomas aus Köln mit einer blitzsauberen grünen Speedmachine am Start (die 10 Jahre sieht man dem Rad wirklich nicht an; „ich putz gerne“). Von den aufrechten Kämpen kommen mir inzwischen auch einige Gesichter bekannt vor.

Die ersten Etappen durchs Bergische und das nördliche Sauerland waren traumschön. Der Aufstieg nach Lennep durch das Seitental ist soo viel schöner, als die Hauptstraße, die ich bisher kannte! Und danach lange Strecken auf den tollen Bahnradwegen- wunderbar!
Thomas und ich waren vom Start weg zunächst ganz am Schluss und ähnlich schnell. Gleich im ersten Anstieg legte ich mich auf einem schlammigen Stück einmal kurz ab. Eigentlich war nicht viel passiert, aber der Lenker hatte sich innerhalb des Basisrohrs des Tiller verdreht und verrutschte fortan sehr leicht. Also eine Übung im Separieren von Bein- und Armmotorik, weil ziehen zu komischen Reaktionen das Rades führen konnte.
So war ich wohl der allerletzte bei der ersten Kontrolle nach nur 38km und fast zwei Stunden, zu der Andreas schnell mit dem Auto gefahren war- bei dem Profil war er wohl tatsächlich schneller, als Hajo im df ;-). Thomas war noch vor Ort, als ich kam und telefonierte mit Andreas‘ Handy herum- er hatte unterwegs sein eigenes Handy aus der Tasche verloren (es wurde aber wieder gefunden und seine Frau hat es noch am selben Tag wieder abgeholt). Nach zwei Stunden kann mal auch schon einmal eine Stulle essen und einmal durchschnaufen. Andreas bot Süßkram und Cola an, darauf hatte ich zwar keine Lust- aber vielen Dank für das Angebot!

Der nächste Anstieg nach Großfastenrath (diese Ortsnamen die ganze Zeit, herrlich! Aber nicht einmal in Anschlag ist etwas Schlimmes passiert;-) war dann ein Stück lang ziemlich steil, ließ sich aber gut fahren und langsam kam die Sonne durch den Dunst. Gut, dass ich bei der Pause schon an die Sonnencreme gedacht hatte.
Als ich bei der zweiten Kontrolle in Altena ankam, winkten mich noch einige Randonneure heran. Der liegende Tomas war auch dabei. Wir brachen gemeinsam auf und fuhren zunächst einmal zusammen bis Fröndenberg. Die Dame in der Touristen-Info war sehr nett und redselig. z.B. darüber, wie rasant Hajo wieder davongeprescht war. Wir konnten uns dann aber doch noch losreißen. In Menden hatten wir mit den Tracks zunächst Schwierigkeiten, den Übergang über die Bahn richtig zu finden (Andreas‘ Wegbeschreibung war im Nachhinein auch hier wunderbar genau und einfach;-) Die Abfahrt über die verschlungene Rampe müsste eigentlich von Slartibartfast stammen.
Die Hügel wurden sanfter und kürzer. Auf dem Haarstrang war ein ganz tolles Licht; die Sonne schien durch einen leichten Dunst. Dadurch war die Sicht getrübt, aber beispielsweise schienen bei Werl (?) große weiße Gebäude fast geheimnisvoll aus der Ferne herüber.

Etwa bei km 150 meinte Thomas dann, ich bräuchte nicht auf ihn zu warten, ich sei ja doch etwas schneller (und er fühlte sich wohl unter Druck gesetzt, mehr zu geben, als sich für ihn gut anfühlte und das schlug ihm auf den Magen).
Kurz vor der Kontrolle in Büren warf ich einen Blick aus Andreas‘ Wegbeschreibung und bekam einen Schreck: dort steht als Zeitlimit für die vierte Kontrolle ein Zeitfenster von 12:11 bis 16:50. 16:50 habe ich dann mit Hängen und Würgen geschafft- aber wo war die Stunde Zeitreserve geblieben, wo es doch gut lief???
In die Brevetkarte gedruckt stand dann aber 13:02 bis 19:24 und damit war meine Welt wieder in Ordnung. Ich fand das sehr nette Café Stilbruch links vom Track. Irgendwie fühlte sich das wie der Wendepunkt an, auch wenn es bis zum Imbiss in Paderborn noch fast 30 offizielle km waren.

Naja, kurz danach hatte ich die Farbspiele verschiedener Wegkategorien mit dem Track verwechselt und eine Extratour um den Flugplatz Lippstadt/Paderborn gedreht. So konnte ich Thomas noch einmal überholen. War dann aber mit meinem Gyrosteller mit Reis schon ziemlich fertig, als auch er bei dem Trojaner eintrudelte. Einige Rennradler waren noch da, als ich ankam und brachen kurz vor mir auf.

Also alleine in die Dämmerung und die hereinbrechende Nacht. Nachdem wir auf der ersten Hälfte Schiebewind aus westlicher Richtung hatten, kam es jetzt doch nicht zu Gegenwind. Er hatte auf Ost gedreht.
Die Münsteraner Ortsteile Wolbeck und besonders Hiltrup waren mit den teils recht verrotteten Radwegen eher blöd zu fahren. Zum Glück war praktisch kein Verkehr mehr und es pochte niemand mehr auf die Radwegbenutzung.

Nach Nottuln dauerte es danach doch noch überraschend lange. An einem zugeschrankten Bahnübergang holte ich dann ein Trio Rennradler ein, die schon etwas abgekämpft wirkten. Bei der Kontrolltanke bekam ich zwar- sofort mitbestellt- einen Kaffee, aber kein Plätzchen im warmen, also bin ich nach dem Kaffee den RRlern hinterher über die Straße noch kurz nach Mitternacht bei McD eingekehrt. Ob man es vor 5:00 Uhr schaffen könnte? Fast 5h für 90km klingt ja nicht nach viel. Ich war aber skeptisch.

Beim Losfahren fielen die ersten Regentropfen, ohne dass das groß gestört hätte. In einem der nächste Orte stand einer der RRler und haderte mit seinem Pech- der dritte Platten am Hinterrad, sein letzter Reserveschlauch … Ich hatte keine passenden Schläuche (oder besser noch Mäntel ?!) dabei und konnte auch sonst nicht wirklich helfen, also weiter und nicht festfrieren.

Vor Dortmund zog ich dann doch die Regenklamotten drüber, auch es damit wärmer wurde. Kurz vor der City schlug ich denselben falschen Haken, den ich mit dem Velomobil schon bei einem früheren Brevet gemacht hatte erneut. Am Ortseingang von Witten aß ich noch einmal ein paar Nüsse und sah, dass die Batteriewarnung am Rücklicht blinkte. Also habe ich an der nächsten 24h-Tankstelle Ersatzbatterien gekauft.
Der Anstieg hinter Witten ließ sich dann erstaunlich gut fahren. Wie beim letzten Mal hatte ich aber wieder den Eindruck, dass der Anstieg kein Ende nähme und eigentlich an der Einmündung in die B234 gefälligst aufhören könnte. Außerdem fing es dann doch an, richtig zu schütten. Mit Brille keine Sicht mehr, also ohne Brille mit dem Wind in den Augen abgefahren. Nicht so lustig.

5:46 war ich dann im Ziel. Immerhin war es noch dunkel. Es gab aber schon frische Croissants. Im Regen zum Auto, umziehen und erst einmal etwas schlafen. Dann einen Ausweg aus dem OBI-Parkplatz suchen, dessen Ein-und Ausfahrten „plötzlich“ verriegelt waren. Zum Glück fand sich ein Ausweg über einen Bordstein und halb durch eine dort unbepflanzte Rabatte und ohne Sachbeschädigung.

Fazit:

Eine tolle Strecke. Hat echt Spaß gemacht- Danke Andreas!

-Die Liege ist eigentlich tatsächlich brevettauglich.
-Ob die Druckstelle an der Innenkante des rechten Schulterblatts vom Sturz oder der Schieflage durch Benutzung nur einer relativ schweren Satteltasche links kommt muss ich noch herausfinden.
-Die Klickpedalen, besonders links müssen noch einmal fester eingestellt- oder ausgetauscht- werden.
-die Klemmung des oberen Lenkers  im Basisrohr des Tillers muss dringend überarbeitet werden.
-das Bordwerkzeug muss für lange Brevets um die Stirnlampe ergänzt werden. Schwein gehabt!
-Nie wieder ein Parkplatz der zwischendurch abgeriegelt wird.

BRM 300 Niederrhein 24.03.2018

20180324_182930

Auch Ostern liegt schon wieder fast zwei Wochen zurück und das Brevet war der Einstieg in meine Osterferien. Die Zeit war so voll, dass ich nicht zum Schreiben gekommen bin. Vor dem 400er am kommenden Wochenende möchte ich trotzdem versuchen, ein paar Erinnerungen festzuhalten. Da ich ein paar Bilder gemacht habe erscheint das nicht ganz aussichtslos.

Ich hatte das Milanmutterschiff Freunden ausgeliehen, die mit mehreren Personen verreisen wollten und hatte angekündigt, mit dem Sturmvogel von Bonn nach Twisteden an- und nach dem Brevet weiter nach Nordhorn abzureisen.
Das Wetter sollte kalt, erfreulicherweise aber schön werden, aber auch bei Schietwetter hätte ich das Ding so durchziehen müssen. Jedenfalls hatte ich alles nötige dabei.

20180323_142412

Immerhin konnte ich so ausprobieren, dass kurz-kurz zumindest tagsüber im Velomobil schon ging.
Zwischen Wesseling und Meschenich schloss ein dick eingemummelter Pendler mit einem schnell elektrifizierten Scorpion mit Streamer zu mir auf. Wir plauschten über ein paar km, in Meschenich hatten wir etwas andere Wegführungen und dahinter nahm er den linksseitigen Radweg. Da zog ich dann langsam davon. Ich fuhr auf dem Track, den ich sonst von Nordhorn nach Bonn genommen habe und sah von daher einige Ecken zum ersten Mal bei Tageslicht 😉
Insgesamt lief es aber sehr zäh! Für etwas über 140km benötigte ich fast fünf Stunden und fand es durchaus anstrengend.
Nachdem ich das Hotel (Stadthotel am Bühnenhaus in Kevelaer) ohne Probleme wiedergefunden hatte habe ich noch die zweite Nacht von Samstag auf Sonntag hinzugebucht- nach dem Brevet nachts noch die 140km nach Hause anzuschließen fand ich vor Ort nicht mehr erstrebenswert. In dem Hotel war ich 2015 schon vor dem 600er, den ich mit mehreren gerissenen Speichen abgebrochen hatte. Auch an die Empfehlung zum Steak im „Alt Derp“ habe ich mich rechtzeitig erinnert und mir ein Rib-Eye „lady cut“ gegönnt. Und so gerade eben ges20180323_205844chafft.

Auch der neue Eigentümer des Hotels ließ Sturmvogel in der Garage übernachten. Am nächsten Morgen sollten wir aber so früh an den Start rollen, dass es dort noch kein Frühstück gab. Dafür hatte Moni* im Sportlerheim in Twisteden wieder Kuchen und Kaffee satt aufgefahren. Bei dem schönen Wetter waren von den angemeldeten ca. 120 auch tatsächlich gekommen, so dass wie üblich vier Startgruppen im 5-Minuten-Abstand auf die Strecke geschickt wurden.

*Die andere Moni 😉

 

Es waren einige Liegeradler am Start, u.a. Norbert (@Norfiets) auf seinem Bachetta. Jana (@limette91) hatte am Vortag einen Felgenbruch an ihrer Liege und ist stattdessen mit dem Trike gestartet. Außerdem waren wir vier Velomobile, außer mir Hartmut mit einem gelben df (NICHT @Guzzi!) und zwei Quests, die wie ein eingespieltes Team wirkten.

Nach dem Start hinten in der letzten Gruppe rollten wir Velonauten recht bald auch die vorderen Startgruppen auf und nach ein paar km ließen Hartmut und ich auch die Questanten hinter uns. Irgendwann habe ich ihn überholt, er blieb aber dran und nach ein paar gemeinsamen Foto- und Pinkelpausen hatte ich den Eindruck, wir passten eigentlich vom Tempo ganz gut zusammen. Nach dem Anstieg in den Wald in der Veluwe machten wir eine gemeinsame Rast. Als es kurz danach rechts ab nach Uddel hinunterging (warum bin ich nicht auf der Straße gefahren sondern auf dem schmalen kurvigen Radweg geblieben???) habe ich Hartmut verloren. Kurz danach war die erste Kontrolle in Elburg. Ich habe ein lange Pause gemacht, im einem Café an der Hauptkreuzung draußen in der Sonne gesessen (!!! ;-), einen leckeren Burger und Bauerfritten gegessen (Risiko, ist mir aber gut bekommen) und lange auf Hartmut gewartet. Irgendwann kamen auch die Questpiloten, saßen aber woanders und schließlich bin ich alleine wieder aufgebrochen.

 

Entlang dem Veluwemeer war es wunderschön, der Frühling lag schon in der frischen Luft, das Licht war herrlich und ich kam ganz gut voran.
In Nijkerk war die zweite Kontrolle, wieder als sog. freie Kontrolle, d.h man kann sich seinen Stempel irgendwo im Ort suchen. Nun auf dem Track bin ich an dem Stadtzentrum zuerst vorbeigefahren, habe dann einen Um- Rückweg durch drempelige Wohnstraßen gemacht und schließelich an einem Supermarkt ausgestiegen. Der Kiosk davor hatte keinen Kaffe, aber Softeis. Naja die Quittung davon sollte als Nachweis reichen.

Bei Rhenen über den Nederrijn und als ich an den Waal kam, lag die Abend-sonne im Rücken und tauche alles in ein warmes Licht.

Auf der Autobahnbrücke der A50 kreuzte der Track dann den Waal und es würde langsam dämmrig, dann dunkel.
Etwa hier war dann meine Trinkblase leer. Eigentlich lief es ganz gut, aber die ganze restliche Strecke ohne zu trinken war dann doch keine gute Vorstellung. Immerhinrechnete ich mir aus gegen 22:00 im Ziel sein zu können. Im nächsten Ort machte ich dann einen Fehler bei der Auswahl des Lokals zum Wassertanken. Ich bin in ei reataurant, wollte höflich sein und habe einen Kaffe und ein Stück Appelgeback bestellt- und geschlagen 20 Minauten darauf gewartet. In der Wrtezeit rauschte eine große Gruppe Rennrad-Randonneure draußen vorbei- die ich dann bis ins Ziel nicht wieder gehen habe. Das war ärgerlich.

Also war es deutlich später, als ich ins Ziel kam. René von meinem Winterpokalteam die Velonauten war tatsächlich mit seiner Tochter Caroline (mit stummem –e!) gekommen und so gab es einen besonders herzlichen Empfang und ein nettes Pläuschchen.

Gegen Mitternacht war ich wieder an meinem Hotel. Natürlich war da alles dunkel, so dass ich Sturmvogel seine Plane überzog und ihn am Rand der Zufahrt abstellte. In meinem Zimmer fand ich dann aber den Garagenschlüssel liegen! Also noch einmal raus und in die Garage mit ihm. Am Garagentor hing dann – nicht zu übersehen, wenn man bis dahin gefahren wäre, dieses Willkommenszeichen:

20180325_164859.jpg

Am Sonntag habe ich ausgeschlafen, das Frühstück genossen und bin ohne Problem nach Nordhorn gekommen. Auch dabei konnte ich mich an Ausblick freuen, die ich bisher allenfalls bei Vollmond genossen hatte.

Schließlich kam ich fast gleichzeitig mit meiner lieben Frau zu Hause an, die an diesem Tag von ihrem Norseekurlaub zurückkehrte.

Brevets in 2018

Brevet 300km Berg. Land ab Wuppertal 17.3.18

Am Samstag der arktischen Peitsche hatte Andreas wieder nach Wuppertal zum Brevet geladen. 70 hatten sich angemeldet, 25 hartgesottene Randonneure waren tatsächlich gekommen.
Sturmvogel und ich hatten im Hotel Imperial ein günstiges und einfaches Quartier unmittelbar am Start gebucht. So ging es schon Freitag Nachmittag mit einem Zwischenstop in Burscheid los. Die Gegend ist mir prinzipiell aus Jugendjahren bekannt, die Strecke ab Spich noch von P-HH geläufig. Aber Spich Dellbrück Odenthal ist mir alles zu viel Verkehr und geAmpel. Ab Burscheid dann Balkantrasse, jetzt auch in Wermelskirchen den Wiedereinstieg gefunden. Da hatten wir ja letztes Jahr drei Milane die Böschung hochgetragen.
Die 90 km von Bonn ins Bergische rauf hatte ich schon on den Beinen gespürt. Aber die lange Merinowäsche war in der Nacht wieder getrocknet und so ging es am Samstag früh zur Bäckerei an den Start. Es war kalt und windig und hatte ein kleines Bisschen geschneit.
Während des Randonneursplauschs und Frühstücks schneite es auch weiter…

Hajo warnte, dass die Absperrungen an der Radbahntrasse in Solingen mit dem VM schwierig zu umfahren seien- bis auf eine Stelle bin ich tatsächlich gaaanz langsam durchgerollt. Dann murmelte er noch etwas von B51 und so hat er es dann wohl auch gehalten.
Am Einstieg in sie Nordbahntrasse bin ich erst einmal vorbeigerauscht. Selbst auf dieser steilen Rampe hatte mein Hinterrad mit dem Conti Winterreifen ausreichend Grip. Diese Bahntrasse war herrlich zu fahren. Es kam uns sogar ein kleines Räumfahrzeug entgegen.
Um Solingen herum war es dann wegen der Engstellen deutlich mühsamer. Ein Schreckmoment war auf einer relativ steilen weißen Stelle vor eine Brücke- die hatte in der Mitte einen Pfahl. Beim Bremsen blockierten die Vorderräder und der Vogel fing an auf den Pfahl zuzurutschen. Bremse auf, sanft nachgefasst und es ging alles gut. Dafür, dass die Primo Comet, die ich seit PHH mit nur einem Durchstich vorne drauf habe als rutschgefährdet gelten, bin ich mit ihnen sehr zufrieden.
Nach der Abfahrt nach Leichlingen hatte ich das erste Mal kalte Füße und Finger. Auf der Rheinfähre saßen wir zu dritt in der Kajüte, aßen unsere Stullen uns ich hörte die Geschichte vom Superrandonnée Belchen satt bei 35°C. Das machte fast wieder warm.
Danach hatte ich erwartet, gut voranzukommen. Trotz Rückenwinds, der mir immer wieder ein paar Schneeflöckchen unter der Haube durchblies war das jedoch eine Illusion. Es blieb bei dem stetig langsamen Anstieg zäh.
Nach K1 ging mein Handy aus- und nach dem Einstöpseln der Powerbank lief es nicht wieder hoch. Also das neue Garmin 1000 aktiviert, das immer noch nicht festgeklettet werden kann (ein echtes hand held), auf das ich nur wenige Tracks in dem .fit-Format einzeln laden kann- und dann werden die alten zum Teil gelöscht.
Nach passieren der holländischen Grenze habe ich erst einmal einen Riegel vorgelegt, das der Anstig zum Drielandenpunt für mich grenzwertig steil ist weiß ich ja schon. Mit einer kurzen Verschnaufpause und einem Gel gings aber ganz gut. Ich habe mir wieder einen pannenkoeken met ham en kaas gegönnt, wie auf meinem ersten 300er 2015 ab Twisteden. Diesmal dauerte das aber nicht so ewig. Da ich auch die Abfahrt schon kannte, zog ich mit Fleecejacke, zwei Buffs und langfingrigen Handschuhen so viele Klamotten an, wie noch nie im VM- und behielt zumindest die Jacke auch bis Wuppertal an. Als ich meinen Vogel wieder klar machte, fiel mir am Hinterrad etwas Merkwürdiges auf:

Ein seltenes Exemplar von
(Schw)Eis(s)zapfen!
OK, innen war das übliche Kondensat auch im Aggregatzustand: fest.
Nun denn, bis ich in Eupen war hatte ich mir gefühlt schon wieder zwei Stücke Kuchen verdient.
Dann kamen noch die Hügelchen bis zur Abfahrt in die Rheinebene. Hinter Düren war meine Trinkblase leer, eine Tankstelle leuchtete durch die Dämmerung. Eine Suppe hätte ich gerne gehabt, stattdessen gab’s die letzte Bockwurst aus dem Dämpfer, die mir nicht soo gut bekam.
Dafür war es ziemlich bis richtig dunkel, als ich auf dem Weg zwischen Autobahn und ICE-Trasse langgesaust bin. Nett! Und dank trinitas auch sichere Sicht.
Nun kam wieder die große Stadt näher. Andreas hatte ja zwei Tage vor dem Start noch einen korrigierten Track geschickt, weil der Radweg auf der Nordseite der Leverkusener Brücke derzeit gesperrt ist. Nach meinem Gefühl ging die Sperrung aber schon auf einer der zuführenden Nebenstraßen los, sodass ich mich im Dunkeln mit dem dauernd dazwischen rumrechnenden Osmand bis zur Brücke durchschlagen musste. Das hat echt gedauert. Auf der anderen Rheinseite standen zwei RRler und flickten „schon wieder“. Die Route durch den Park war verriegelt. Trotz ungefährer Kenntnis der Topografie hat es einige Extrakurven gebraucht, mich in Richtung Opladen wieder auf den Track zu bringen.
Also dann: die gesamte Balkanstrecke am Stück- die brauchte das, was mir als Volldampf noch möglich war.
Auf der Abfahrt nach Wuppertal hinunter holte ich noch drei der Rennradler ein und war um 1:00 Uhr in der früh im Ziel.
Andreas bewirtete uns wieder fürstlich mit seinen köstlichen Crèpes und bis 3:00 waren bis auf einen alle Randonneure wieder im Ziel (gleich nach dem Start mussten zwei wegen Defekten aufgeben).
Dann hatte ich mich soweit erholt, dass ich die Rückfahrt nach Bonn wieder antreten konnte. Für das erste, steile Stück aus dem Wupper-tal nach Lennep benötigte ich noch einmal einen Verschnaufer, die Abfahrt von Dreibäumen über Dabringhausen und Altenberg auf den Spuren meiner Jugend habe ich sehr genossen. Hinter Odenthal fing es wieder an zu schneien und so ging die 300er Wintertour nach 490 geradelten km stimmig zu Ende. Um 7:00 war ich müde und zufrieden wieder in Godesberg.

Beim 300er am kommenden Wochenende ab Twisteden soll es ja frühlingshaft und flach werden- ob mich das schneller macht, wird sich zeigen.

Fazit: Winterliche Temperaturen im VM gehen ganz gut. Jedenfalls ohne Panne.
Riesenrespekt vor den Rennradlern, die Kälte und Wind ohne Carbonhülle ausgehalten haben!
Eine Brotdose mit Stullen, vier Bananen, 3l Apfelschorle, zwei Stücke Kuchen ein Pfannkuchen, zwei Riegel, zwei Gels.
Im Ziel 3 Tees, ein bleifreies Weizen zwei Crèpes.
Die Bahnradwege machen Touren im Stadtbereich wesentlich besser erträglich- und sind im Bergischen wegen der gleichmäßigen Steigungen echt ideal.

Die Episode mit den Schuhen

Als die lohnende Pause in Brampton beendet und der frisch geduschte Randonneur alles wieder gerichtet hatte, musste er nur noch seine Schuhe anziehen und konnte weiterfahren.

 

Theoretisch.

 

Da wo er die Schuhe abgestellt hatte, brav im Gang zur Kantine, zehn Meter von der Kreuzung entfernt, standen viel Paare, aber seine nicht.

In den übrigen Gängen standen noch viel, viel mehr Schuhe. Viele Marken, alle Farben und Formen.

Da! Im Hauptgang ein Paar schwarze von Specialized, mit drei Klettverschlüssen, so wie seine. Aaber: keine SQLab Innensohlen und nur Größe 46, nicht 48.

Also sucht er noch einmal alles ab, die Specialized hatte er dabei bestimmt drei Male in der Hand.

 

Nichts! Nichts! Nichts!

Er wendet sich an eine Helferin, die dort Dienst tut. Sie versteht ihn nicht, kann kaum Englisch, er zu wenig Französisch. Aber sie bringt ihn zu Heather, die diese wichtige Kontrolle -nach Yad Moss, vor den schottischen Bergen und – nicht zu vergessen- auch vor Yad Moss- leitet. Also alles noch einmal mit mehreren Helfern abgesucht. Nichts!

 

Jemand muss irrtümlich die Schuhe des Randonneurs mit den großen Füßen genommen haben. Mutmaßlich jemand mit nur gering überdurchschnittlich großen Füßen, dem eigentlich die stehen gelassenen 46er viel besser passen, als die Schuhe des Randonneurs, dieser Glücksfall im Leben eines Mannes auf großem Fuße, der sich in den letzten 40 Jahren seines Lebens angewöhnt hat, alle Schuhe zu kaufen, wenn sie ihm passen und nur halbwegs gefallen.

Heather nötigt ihn, die 46er anzuprobieren. Er fühlt sich wie im Märchen von Aschenputtel- so wird das nichts.

Heather fragt im Team, herum, welche Schuhgrößen die Jungs haben und ob man nicht noch wen mit großen Füßen kennt?! Und richtig, der junge Schwede, Helfer mit Engelsgesicht und langen blonden Locken hat ausgelatschte Mountainbikeschuhe in 13. Sie passen dem Randonneur.

 

Sie passen aber seinem Velomobil nicht. Diese breiten Latschen schleifen außen an der Karosserie, besonders links. Die Cleats verstellen- Fehlanzeige! Abgeschliffen und nur noch halb so dick, wie sie einmal waren. Immerhin halten sie in den Pedalen!

 

Der Besitzer ist bereit, seine Schuhe verstümmeln zu lassen. Das alte Schweizermesser im Gepäck des Randonneurs ist zu stumpf, der Mechanic treibt ein Teppichmesser auf, damit geht es- Der Randonneur schnitzt einige Millimeter der weichen Sohle im Vorfußbereich außen ab. Jetzt passen die Schuhe dem Randonneur und seinem Milan!

Heather will die Kollegen in der Kontrolle in Moffat informieren, damit sie nach schwarzen Specialized Schuhen Ausschau halten.

 

Um 22:34 Uhr, nur 1 ½ Stunden nachdem er aufbrechen wollte, sitzt der Randonneur in seinem Sturmvogel und fährt in die finstere Nacht hinaus, auf der Standardstrecke über die derzeit verkehrsarmen Hauptstraßen nach Moffat. Er lässt sich von den Effekten der Katzenaugen, die den Mittelstreifen der Straßen nachts erkennbar machen unterhalten. Fällt die Straße zu sehr ab („hidden dip“ nennen das die Briten) bekommt die Lichterkette Lücken, die sich wieder schließen, sich neu bilden, verschwinden- hübsch. Und wahrscheinlich bei der tiefen Sitzposition im Velomobil besonders eindrücklich.

Was der Randonneur nicht so hübsch findet, ist, dass seine linke Achillessehne anfängt zu zwicken. Sind das jetzt Nachwehen der vorangegangenen Bergetappe? Liegt es an den Schuhen mit den weichen, flexiblen Sohlen? An beidem zusammen?

Nach 3:15:53 Fahrzeit und 3:23:03 Gesamtzeit sind die 77,4 km und 443 Höhenmeter nach Moffat geschafft. Der Randonneur liegt jetzt nur noch 1:49h vor dem Ende seines Zeitfensters. Dennoch geht es jetzt nach dem Essen erst einmal in den Schlafsaal.

Beim Einchecken wissen die Helfer von der Problem mit den Schuhen, haben aber noch kein entsprechendes Paar gefunden. Nach zwei Stunden Schlaf und einem kurzen Frühstück checkt der Randonneur wieder aus. Die Helfer, die jetzt am Eingang sitzen haben von der Geschichte mit den Schuhen noch nichts gehört. Haben also auch nicht auf die Schuhe der vorbeikommenden Radler geachtet. Hmm.

 

Ob der Randonneur sich den die Schuhe, welch hier gleich am Eingang abgestellt werde, schon angesehen hätte?

Nö, macht er aber natürlich sofort.

Nur steh ihm dabei dieser Typ im Weg, einer von den Amis, die er schon am Yad Moss immer wieder einmal getroffen hatte. Der zog sich gerade ein Paar schwarze Fahrradschuhe aus, weil er vor dem Start noch etwas aus dem Gebäude holen musste.

 

Ein Paar? Schwarz. Specialized. Drei Klettverschlüsse. Blaue Innensohlen mit weißer Schrift.

Das Paar!

Der Randonneur fragt den anderen Randonneur ganz, ganz vorsichtig, ob dieser sich wirklich ganz sicher sei, dass die Schuhe, die er da gerade ausgezogen hatte auch wirklich, ganz bestimmt seine seien?

Natürlich sind sie das!

Sie sehen aber den vermissten Schuhen des Randonneurs zu und zu ähnlich. Hat der andere Randonneur denn auch diese speziellen Innensohlen? Hat er nicht eigentlich Größe 46?

Hat er. John entschuldigt sich für sein Versehen. Dieses Paar hat ihm aber gut gepasst. Er hatte sich gefreut, dass seine Füße während der Pause in Brampton so schön abgeschwollen seien (Kein Wunder, wenn man nach der Pause zwei Nummern größer anzieht!). John rückt die Schuhe auch ohne Widerspruch heraus. Versucht die Story seinen beiden Kumpeln zu erklären. Diese spezielle Innensohle, die Kratzer an den Hacken von den Schrauben, mit denen die Gleitkufen unter den Fußhubbeln des Milans befestigt sind.

Aber John möchte auch wissen, wie er denn jetzt weiterradeln soll? So ohne Schuhe?

 

Der Randonneur weiß eine Lösung. Er geht zu seinem Velomobil und holt die geliehen, handgeschnitzten MTB-Schuhe heraus. Er wird nie wieder seine Schuhe in die Massen der übrigen Radschuhe stellen, sondern direkt am geparkten Velomobil seine Hausschuhe anziehen und die Radschuhe dort lassen, wo sie hingehören- im Rad.

 

John hat ein paar bequeme Schuhe mit Cleats, die an seine Pedale passen. Jedes Mal, wenn der Randonneur ihn trifft, und dascwird auch an diesem Tag ein paar Mal passieren, fragt er John ganz freundlich, ob es John’s Füssen gut geht und hat jedes Mal eine positive Antwort bekommen.

 

Und das Ende dieser Geschichte?

Als der Randonneur am Ende des Tages wieder in Brampton ankommt stehen die handgeschnitzten MTB-Schuhe fein ordentlich neben dem Tisch des Teams am Check-in. Der Randonneur wird sehr, sehr freundlich begrüßt. Man deutet ihm, voll britischen Understatements nur sachte an, was John zu hören bekam, als er mit den Handgeschnitzten zur Tür hereinkam.

 

LEL 2017

eine bebilderte Version dieses Eintrags findet sich hier

Vorbereitungen:

Sturmvogel sollte zu LEL maximal fit sein.

 

Er bekam neue Vorderräder von Ginkgo mit Kühltürmen auf den Bremstrommeln und Felgen für schlauchlose (tubeless) Reifen, die sich durch größere Pannensicherheit auszeichnen sollen. Damit sitzen die Reifen aber auch -Schlauch oder nicht- wesentlich fester auf der Felge sodass ich bei der ersten Panne ohne Zerstückeln den Reifen gar nicht wieder herunter bekam. Mit etwas Übung schien das jedoch klappen zu wollen.

 

Außerdem bestellte ich einen starken Fernlichtscheinwerfer samt Akku, der mit dem Bordnetz verbunden werden und die Nachtfahrten noch sicherer machen sollte. Dieser wurde tatsächlich im Mai fertig.

 

Im Frühjahr hatte ich mir als neues Auto einen Kleinbus zugelegt, in den der Milan rückwärts, mit der Heckflossen zwischen den Lehnen der Vordersitze hineinpasst und beim Fahren nicht stört. Ein großes Auto, um noch mehr Radfahren zu können.

 

Für Mitte Juni hatte ich fast zwei Monate vorher einen Termin mit dem Räderwerk abgesprochen. Neben einer gründlichen Inspektion mit Erneuerung aller verschlissenen Teile sollten in dieser Woche auch die o.g. Elektronikkomponenten eingebaut und für meine bessere Belüftung ein NACA-Duct.
Im Räderwerk herrschte aber zu dieser Zeit extremer Personalnotstand. Jens schaffte es, den NACA-Duct und eine Wartungsklappe im Bereich des Schaltwerks einzubauen / auszuschneiden. Helge hatte eben genug Zeit, die Schaltung einzustellen.
Am Tag der Abholung war das längste und schwerste Brevet meiner Vorbereitung, 600km  vom Weserbergland nach Gießen und zurück über das Eichsfeld, und das Harzvorland- und die Bremsen brauchten immer noch genauso dringend ein Nachstellen, wie vor der Inspektion. Nach diesem Brevet wusste ich jedenfalls einige Dinge, die ich in den ersten Urlaubstagen noch zu erledigen hätte.

 

Meine Kondition schien in den Brevets, aber auch bei anderen, teils langen Fahrten durchaus gut zu sein.

Wo mir nach den langen Fahrten Wehwehchen aufgefallen waren, habe ich Sturmvogel angepasst, die Armstützen niedriger gemacht und den Sitz im Lendenbereich so gepolstert, dass der Dornfortsatz auch dort nicht mehr zu viel Druck erhalten kann.

Elektrolytpulver und Powerbars habe ich wieder in großen Mengen bestellt.

 

Sommerurlaub 2017

LEL würde in der dritten und letzten Woche meines Sommerurlaubs liegen. Meine liebe Frau hatte schon vorher (Schul-) Sommerferien und würde in der LEL-Woche wieder anfangen zu arbeiten.
In der ersten Woche wollte ich die Vorbereitungen hinsichtlich der Ausrüstung, des Inhalts der Drop-Bags und der Arbeiten am Sturmvogel abschließen. Da uns noch ein persönlicher Termin dazwischenkam, hat die Zeit gerade dafür gereicht.

Das Tubeless-Felgenband in den neuen Vorderrädern stellt sich in dieser Woche gerade noch rechtzeitig als sehr empfindlich heraus: Wir waren abends bei Freunden im Münsterland; als ich aus dem Pool herauskam fragten sie mich, was mein Rad für seltsame Geräusch macht. Als ich losfahren wollte, stellte sich heraus, dass der Schlauch in die Felge hinein geplatzt war. Das dünne, leichte und luftdichte Band war wohl bei einer vorhergehenden Reparatur durch Kratzer beschädigt worden und in einem Speichenloch ausgerissen. Also habe ich am folgenden Tag ein anderes Felgenband darüber geklebt.

Nach dem Schmieren der Kette und etwas Nachjustieren am Schaltwerk fiel auch die Kette hinten nicht mehr ab- dies war bei dem 600er mehrfach passiert und sehr lästig.

Den neuen Scheinwerfer konnte ich auch selber einbauen, die mitgelieferten Leitungen waren genau lang genug, den Taster für die Auswahl der Leuchtstärke bekam ich mit etwas Bohren und Feilen so am Lenker fest, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nur der Anschluss an das bestehende Stromnetz muss noch warten- Allein um den kleine Schaltkasten zu entfernen, hätte ich das linke Federbein ausbauen müssen- erstmals. Das sollte man zwar vielleicht tatsächlich können, aber machte mir das Ganze dann doch zu aufwändig.

Die zweite Ferienwoche verbrachten wir sehr angenehm auf einer Rundreise durch Südengland. Wir besuchten mehrere gute Freunde aus Studientagen, besichtigten Salisbury mit seiner Kathedrale und machten zum Abschluss eine schöne längere Wanderung beim White Horse bei Uffington, einem großen prähistorischen Scharrbild eines Pferdes in großer Nähe zu einem bronzezeitlichen Festung am sog. Ridgeway. In den Laufschuhen holte ich mir dicke Blasen unter beiden kleinen Zehen- die sich aber bei Radfahren um Glück überhaupt nicht bemerkbar machten.

 

Vor dem Start:

Am Samstag dem 29.7. mussten die Startformalitäten erledigt werden. Ich brachte also meine Frau nach Stansted zum Flughafen, der sehr dicht bei Loughton, dem Startort liegt. Auf dem Gelände der Davenant Foundation School hatte ich einen Parkplatz erhalten. Die Registrierung verlief vollkommen unkompliziert, die beiden Drop-Bags hatte ich ja schon zu Hause vorbereitet und musste sie nur noch in die LEL- Beutel umpacken. Nur die Abholung der vorbestellten Artikel: Tasse T-Shirt, Trikots etc. dauerte etwas länger. Überall traf man nette Leute. Andreas, mit dem ich vor zwei Wochen noch 300km durch Holland gefahren war, wies mir den Weg zum Parkplatz.
Danach traf ich mich mit Carlos aus Oundle dem ich vor zwei Jahren bei PBP mit meiner Regenjacke das Durchhalten und Finishen ermöglicht hatte. Wir liefen ein ganzes Stück in den Ort, weil der nahegelegene Pub kein Essen anbietet und ich wurde von ihm zur Pastaparty eingeladen.

Auf dem Rückweg besorgte ich in einem Supermarkt noch ein paar Bananen und Sandwiches als Reiseproviant. Ich konnte mir ja nicht die üblichen Stullen schmieren.

Zurück auf dem Schulgelände war das belgische Auto mit dem weißen Quest auf dem Dach und dem sehr liebenswürdigen älteren Fahrer verschwunden. Auf der anderen Seite von meinem Auto stand ein VW-Bus mit italienischem Kennzeichen und ausgefahrenem Vordach. Ich wurde gleich- auf deutsch- eingeladen ebenfalls darunter dem Regen zu entkommen und wir kamen leicht ins Plaudern.

In einer Regenpause holte ich Sturmvogel aus dem Auto und pumpte die Luftmatratze auf. Nachdem ich auch noch die Kette wieder aufgelegt hatte die beim rückwärts ins Auto Schieben heruntergefallen war, (das hatte ich schon gehört) und alle Reifen nicht nachgepumpt werden mussten, waren die Vorbereitungen eigentlich abgeschlossen. Beim weiteren Plausch erzählten mir meine Nachbarn von Freunden, die beide Velomobile führen, bei PBP teilgenommen hatten… . Das konnten eigentlich nur Marita und Thomas sein, was auch stimmte. Daraufhin fragte ich, ob meine Nachbarin die Gabi sei, deren Blog ich immer wieder gerne lese- und auch das stimmte.

 

Tag 1:

Ich wurde kurz vor 6 wach und hatte- zum ersten Mal auf der Luftmatratze im Auto- ganz gut geschlafen. Duschen, Frühstück und noch immer keine Aufregung. Ich fühlte mich optimal vorbereitet und gut ausgerüstet. Um halb acht fuhr ich meinen Vogel zum Startplatz. Auch dort ging es ruhig zu. Die Startgruppen waren relativ klein. In meiner Gruppe startete noch ein Südtiroler, mit dem Gabi mich bekanntgemacht hatte. Sie war rechtzeitig aufgestanden und verabschiedete uns.

Das Velomobil war- wie überall- auch hier schon ein beliebtes Fotomotiv und Gesprächsthema.

Und dann war es soweit und wir rollten los. Es regnete leicht, die Temperatur war angenehm, auf den ersten Kilometern kamen immer wieder Randonneure auf dem Weg zum Start entgegen. Dass die Gegend um Loughton hügelig hatte ich ja tags zuvor schon festgestellt, für manche der kurzen Anstiege brauchte ich auch das kleine Kettenblatt, alles funktionierte gut und das hin und her mit überholen und überholt werden machte Spaß, wie immer. Ich kam ganz gut voran und freute mich auf die flachen km in den Fens, die jedoch länger auf sich warten ließen, als ich gedacht hatte. An der ersten Kontrolle in St Ives habe ich den Stempel um 11:40 bekommen, nachdem ich die ersten Gespräche über das Velomobil hinter mir hatte, lag also wie erhofft gut in der Zeit und war auch nach ca. 30 min nach Essen, Trinken und Toilettenbesuch gleich wieder unterwegs.

Ich hatte auf Empfehlung von LEL Veteranen im Velomobil im Vorfeld mit B-Router, dem Fahrradroutingprogramm, das unter den zahlreichen Fahrradprofilen auch eine Einstellung für Velomobile hat, für die gesamte Strecke VM- optimierte Routen erstellt und beide, die originalen und die VM-Routen auf das Garmin geladen. In der Hoffnung, dass ein paar Umwege auf etwas größeren Straßen die Straßenqualität verbessern und die Anstiege etwas weniger steil ausfallen lassen könnte, benutzte ich auf den nächsten Etappen diese Tracks. Daher war ich immer wieder allein auf weiter Flur war. Die zweite Etappe nach Spalding war flach, kurz und lief gut. Das Garmin sagt 1:47:26 (Netto-) Fahrzeit für 60,13 km. Der Stempel wurde ohne Uhrzeit erteilt und von mir mit 14:02h nachgetragen. Das Essen war vielfältig, lecker und reichhaltig, dazu habe ich reichlich getrunken und meine Trinkblase erstmals nachgefüllt.

Die dritte Etappe nach Louth würde die Fens wieder verlassen. Aber zwischen Boston (nur vorbeigefahren) und New York platzte der rechte Vorderreifen mit einem lauten Knall. Ich war offenbar über eine Scherbe oder ein scharfe Metallkante gefahren und hatte mir den Reifen auf einem Langen Stück aufgeschnitten. Während der Reparatur bot mir ein Mann Hilfe an. Zumindest Händewaschen, Toilettenbesuch und das Wegwerfen des alten Reifens und Schlauchs nahm ich gerne an. Hinten in seiner Einfahrt stand doch tatsächlich ein Messerschmidt Kabinenroller aus den frühen Fünfzigern! Daneben wollte ich meinen Sturmvogel fotografieren! Er habe ja noch eine Menge andere „Bubble Cars“ erzählte er mir und ließ mich ohne Eintritt einen Blick in sein Fahrzeugmuseum werfen. (www.bubblecarmuseum.co.uk)

Das Ende dieser Etappe würde mit den Lincolnshire Wolds hügelig werden. Und auch auf der VM-Route war es stellenweise so steil, dass ich eine Strecke geschoben habe um die Muskeln nicht zu sehr zu belasten. Wer im Ziel ankommen will muss halt manchmal vernünftig sein. Dafür wird man dann eher von der guten Aussicht belohnt- zumal das Wetter deutlich besser geworden war. Fahrtzeit 2:45:18, Gesamtzeit 3:26:15 für 79,5km.

In Louth war eine längere Pause fällig. Zuerst Fachsimpeln mit Lee; dem Mechanic, der meinte, Milane sehe man in GB ja nicht so oft- und mir dann Fotos von seinem schicken weißen Milan SL mit roten Reflexstreifen zeigte. Als Velomobilfahrer hatte er auch die passenden Reifen und Schläuche vorrätig. Ersatz für den geplatzten Schlauch kaufte ich, aber die relativ schweren Duranos, die er mir anbot habe ich – leider- verschmäht. Ich wähnte ja, selber genug dabei und in den Drop-Bags zu haben.

Besonders für die erste Hälfte der nächsten Etappe nach Pocklington hatte ich die B-Router-Tracks gemacht. So umfuhr ich die Lincolnshire Wolds und traf erst an der Humber Bridge wieder auf andere Randonneure. Hier wurde es dann dunkel, was die komplizierten Wegeverhältnisse nicht leichter erkennbar machte. An einem Kreisverkehr bog ich irrtümlich zu früh auf die Auffahrt zur hier autobahnartig ausgebaute A63 in Richtung Osten ab. Zum Glück war praktisch kein Verkehr, als ich den Vogel am rechten Straßenrand entlang wieder hoch bis um Kreisel schob. Am nächsten Kreisverkehr, so einem Doppelkreisverkehrssystem, dass offenbar anstelle der früher gebauten Riesenkreise mit zwei Brücken mit einer Brücke über die Hauptstraßen auskommt, habe ich mich gleich wieder verhauen, danach ging es aber an der selben A63 entlang ein Stück in Richtung Westen. Insgesamt war auf meinem Track die Humber Bridge die höchste Erhebung auf der nur gering welligen Strecke. Fahrzeit 4:21:23 netto und 5:08:26 brutto für 112,7km. Der Stempel in Pocklington stammt von 0:33 am Montag. Bisher hatte ich eine Zeitreserve von 7h und 11min. Sehr schön!

In Pocklington hatte ich frische Kleidung in meinem Drop-Bag, nach der Dusche und dem Abendessen nahm ich für knapp zwei Stündchen eine Schlafstelle.

 

Tag 2:

Dann noch ordentlich gefrühstückt und um 3:56 Uhr das Garmin wieder gestartet. Bald wurde es hell und es wurde ein schöner Tag. Auf meiner nur wenig hügeligen Strecke kam ich ziemlich gut voran, den Stempel in Thirsk erhielt ich um 6:59h- immer noch 5:20h vor dem Zeitlimit. Netto 2:34:43h, brutto ca. 3h für 62,5km und 281 Höhenmeter.

Um 7:50 Uhr ging es weiter nach Barnard Castle, einem sehr sehenswerten Ort mit einer malerischen, Schloss-artigen Schule. Die Stecke stieg jetzt, besonders auf den letzten 30 km deutlich an. Nach dem zweiten- sehr reichhaltigen und guten- Frühstück kam ich auf dem Weg zu den Waschräumen am Raum des Masseurs vorbei. Mauro hatte keine Kundschaft und so ließ ich mir von seinen magischen Händen schon einmal die Beinmuskulatur auflockern – sehr, sehr angenehm! Diese Etappe war um 11:07 Uhr nach 67,4 km in 2:54:28 bzw. 3:12:08h mit 576 Höhenmetern zu Ende.

Durch die Massage hatte sich die Pause in Barnard Castle auf 1 ½ h verlängert, aber jetzt kam ja auch die erste Überquerung des berüchtigten Yad Moss, einer Gebirgsstraße über den Hauptkamm der Pennines. Und Klettern ist für mich Zweizentnermann mit dem Velomobil, das fast 20 kg schwerer ist, als manches Rennrad eine anstrengende Geduldsprobe. Diese Etappe bot 998 Höhenmeter und da die Strecke „alternativlos“ ist, war mein Track hier mit dem Originaltrack identisch. Es gab also immer wieder nette Begegnungen mit anderen Teilnehmern. Wie erwartet war es anstrengend, ließ sich aber insgesamt gut fahren. Der Lukendeckel, den ich beim Bergauffahren sonst zur bessren Wärmeabfuhr gerne hochgestellt lasse, wurde mir vom frischen Wind immer wieder zugeweht, so dass ich ihm meist nur mit einer Hand etwas hochgehalten habe. Mit ein paar kurzen Verschnauf- und Fotopausen kam ich gut oben an. Die Abfahrt, in einem Stück zunächst nur bis Alston war ein Hochgenuss. Hier konnte ich etliche der Leute, die mich bergauf etwas mitleidig angeschaut hatten, wieder sehr deutlich hinter mir lassen. Als in Alston in der steilen Kopfsteinpflasterpassage ein Eiswagen stand, konnte auch ich nicht widerstehen. Das Stück weiter nach Brampton geht zwar insgesamt immer noch deutlich bergab, es werden aber einige Flüsse und Bäche überquert, sodass immer wieder steile Zwischenanstiege zu bewältigen waren. Diese waren zwar nicht so lang, aber dennoch für die müden Beine unangenehm. Außerdem stellte ich mir schon mit leisem Grausen die Rückfahrt vor. 83,5km; 4:15:26/ 5:15:24h, 998 Hm, Vmax immerhin 67km/h. Auf diesem Stück traf ich immer wieder ein Grüppchen Amerikaner, über die noch zu berichten sein wird.

Die Pause in Brampton war hochwillkommen. Bis man seine Schuhe ausziehen muss ist man aber durch eine Vorhalle und einen Innenhof schon so weit gegangen, dass ich zu faul war, wieder zum Rad zu gehen und die Birkis anzuziehen. Das Essen war wieder lecker, ich hatte schon wieder frische Klamotten im Brampton Drop-Bag, in jeder Duschkabine waren Duschgel und Shampoo.
Yad Moss hin und her- ich hatte an dem Tag noch nicht genug getan und musste zumindest noch eine Etappe unter die Räder nehmen. Also nach der –lohnenden- Pause weiter nach Moffat und vielleicht auch noch Edinburgh?!

 

Zwischenspiel: die Episode mit den Schuhen

Als die lohnende Pause in Brampton beendet und der frisch geduschte Randonneur alles wieder gerichtet hatte, musste er nur noch seine Schuhe anziehen und konnte weiterfahren.

 

Theoretisch.

 

Da wo er die Schuhe abgestellt hatte, brav im Gang zur Kantine, zehn Meter von der Kreuzung entfernt, standen viel Paare, aber seine nicht.

In den übrigen Gängen standen noch viel, viel mehr Schuhe. Viele Marken, alle Farben und Formen.

Da! Im Hauptgang ein Paar schwarze von Specialized, mit drei Klettverschlüssen, so wie seine. Aaber: keine SQLab Innensohlen und nur Größe 46, nicht 48.

Also sucht er noch einmal alles ab, die Specialized hatte er dabei bestimmt drei Male in der Hand.

 

Nichts! Nichts! Nichts!

Er wendet sich an eine Helferin, die dort Dienst tut. Sie versteht ihn nicht, kann kaum Englisch, er zu wenig Französisch. Aber sie bringt ihn zu Heather, die diese wichtige Kontrolle -nach Yad Moss, vor den schottischen Bergen und – nicht zu vergessen- auch vor Yad Moss- leitet. Also alles noch einmal mit mehreren Helfern abgesucht. Nichts!

 

Jemand muss irrtümlich die Schuhe des Randonneurs mit den großen Füßen genommen haben. Mutmaßlich jemand mit nur gering überdurchschnittlich großen Füßen, dem eigentlich die stehen gelassenen 46er viel besser passen, als die Schuhe des Randonneurs, dieser Glücksfall im Leben eines Mannes auf großem Fuße, der sich in den letzten 40 Jahren seines Lebens angewöhnt hat, alle Schuhe zu kaufen, wenn sie ihm passen und nur halbwegs gefallen.

Heather nötigt ihn, die 46er anzuprobieren. Er fühlt sich wie im Märchen von Aschenputtel- so wird das nichts.

Heather fragt im Team, herum, welche Schuhgrößen die Jungs haben und ob man nicht noch wen mit großen Füßen kennt?! Und richtig, der junge Schwede, Helfer mit Engelsgesicht und langen blonden Locken hat ausgelatschte Mountainbikeschuhe in 13. Sie passen dem Randonneur.

 

Sie passen aber seinem Velomobil nicht. Diese breiten Latschen schleifen außen an der Karosserie, besonders links. Die Cleats verstellen- Fehlanzeige! Abgeschliffen und nur noch halb so dick, wie sie einmal waren. Immerhin halten sie in den Pedalen!

 

Der Besitzer ist bereit, seine Schuhe verstümmeln zu lassen. Das alte Schweizermesser im Gepäck des Randonneurs ist zu stumpf, der Mechanic treibt ein Teppichmesser auf, damit geht es- Der Randonneur schnitzt einige Millimeter der weichen Sohle im Vorfußbereich außen ab. Jetzt passen die Schuhe dem Randonneur und seinem Milan!

Heather will die Kollegen in der Kontrolle in Moffat informieren, damit sie nach schwarzen Specialized Schuhen Ausschau halten.

 

Um 22:34 Uhr, nur 1 ½ Stunden nachdem er aufbrechen wollte, sitzt der Randonneur in seinem Sturmvogel und fährt in die finstere Nacht hinaus, auf der Standardstrecke über die derzeit verkehrsarmen Hauptstraßen nach Moffat. Er lässt sich von den Effekten der Katzenaugen, die den Mittelstreifen der Straßen nachts erkennbar machen unterhalten. Fällt die Straße zu sehr ab („hidden dip“ nennen das die Briten) bekommt die Lichterkette Lücken, die sich wieder schließen, sich neu bilden, verschwinden- hübsch. Und wahrscheinlich bei der tiefen Sitzposition im Velomobil besonders eindrücklich.

Was der Randonneur nicht so hübsch findet, ist, dass seine linke Achillessehne anfängt zu zwicken. Sind das jetzt Nachwehen der vorangegangenen Bergetappe? Liegt es an den Schuhen mit den weichen, flexiblen Sohlen? An beidem zusammen?

Nach 3:15:53 Fahrzeit und 3:23:03 Gesamtzeit sind die 77,4 km und 443 Höhenmeter nach Moffat geschafft. Der Randonneur liegt jetzt nur noch 1:49h vor dem Ende seines Zeitfensters. Dennoch geht es jetzt nach dem Essen erst einmal in den Schlafsaal.

Beim Einchecken wissen die Helfer von der Problem mit den Schuhen, haben aber noch kein entsprechendes Paar gefunden. Nach zwei Stunden Schlaf und einem kurzen Frühstück checkt der Randonneur wieder aus. Die Helfer, die jetzt am Eingang sitzen haben von der Geschichte mit den Schuhen noch nichts gehört. Haben also auch nicht auf die Schuhe der vorbeikommenden Radler geachtet. Hmm.

 

Ob der Randonneur sich den die Schuhe, welch hier gleich am Eingang abgestellt werde, schon angesehen hätte?

Nö, macht er aber natürlich sofort.

Nur steh ihm dabei dieser Typ im Weg, einer von den Amis, die er schon am Yad Moss immer wieder einmal getroffen hatte. Der zog sich gerade ein Paar schwarze Fahrradschuhe aus, weil er vor dem Start noch etwas aus dem Gebäude holen musste.

 

Ein Paar? Schwarz. Specialized. Drei Klettverschlüsse. Blaue Innensohlen mit weißer Schrift.

Das Paar!

Der Randonneur fragt den anderen Randonneur ganz, ganz vorsichtig, ob dieser sich wirklich ganz sicher sei, dass die Schuhe, die er da gerade ausgezogen hatte auch wirklich, ganz bestimmt seine seien?

Natürlich sind sie das!

Sie sehen aber den vermissten Schuhen des Randonneurs zu und zu ähnlich. Hat der andere Randonneur denn auch diese speziellen Innensohlen? Hat er nicht eigentlich Größe 46?

Hat er. John entschuldigt sich für sein Versehen. Dieses Paar hat ihm aber gut gepasst. Er hatte sich gefreut, dass seine Füße während der Pause in Brampton so schön abgeschwollen seien (Kein Wunder, wenn man nach der Pause zwei Nummern größer anzieht!). John rückt die Schuhe auch ohne Widerspruch heraus. Versucht die Story seinen beiden Kumpeln zu erklären. Diese spezielle Innensohle, die Kratzer an den Hacken von den Schrauben, mit denen die Gleitkufen unter den Fußhubbeln des Milans befestigt sind.

Aber John möchte auch wissen, wie er denn jetzt weiterradeln soll? So ohne Schuhe?

 

Der Randonneur weiß eine Lösung. Er geht zu seinem Velomobil und holt die geliehen, handgeschnitzten MTB-Schuhe heraus. Er wird nie wieder seine Schuhe in die Massen der übrigen Radschuhe stellen, sondern direkt am geparkten Velomobil seine Hausschuhe anziehen und die Radschuhe dort lassen, wo sie hingehören- im Rad.

 

John hat ein paar bequeme Schuhe mit Cleats, die an seine Pedale passen. Jedes Mal, wenn der Randonneur ihn trifft, und dascwird auch an diesem Tag ein paar Mal passieren, fragt er John ganz freundlich, ob es John’s Füssen gut geht und hat jedes Mal eine positive Antwort bekommen.

 

Und das Ende dieser Geschichte?

Als der Randonneur am Ende des Tages wieder in Brampton ankommt stehen die handgeschnitzten MTB-Schuhe fein ordentlich neben dem Tisch des Teams am Check-in. Der Randonneur wird sehr, sehr freundlich begrüßt. Man deutet ihm, voll britischen Understatements nur sachte an, was John zu hören bekam, als er mit den Handgeschnitzten zur Tür hereinkam.

 

Tag 3:

Punkt fünf Uhr in der Frühe, es war schon wieder hell, konnte ich also die letzte Etappe des Hinwegs in Angriff nehmen. Dass ich meine Schuhe wieder hatte gab mir zusätzlichen Elan und jedes Mal wenn John-who-took-my-shoes und seine Gruppe mir begegnete gab es was zu lachen.

Nach der Schlafpause war ich wieder frisch und der ziemlich lange Anstieg macht mir nicht viel aus. Es war auch nicht allzu steil und irgendwann ging es dann meist bergab durch das Tal des River Tweed nach Osten. In der Nähe von Edinburgh wurde dann auch der Verkehr stärker. Bei den schlechten Straßen musste ich – besonders bergab- weit in der Mitte fahren, um den Schlaglöchern ausweichen zu können. Beim Bergaufschleichen war das langsame Ruckeln ja auch nicht so bedrohlich.

Nur zehn km vor dem Ziel verließ der Track die größeren Straßen. Nach einer scharfen, unübersichtlichen Linkskurve kam ein kurzer, aber steiler Anstieg, also schnell runterschalten aufs kleine Kettenblatt. Nur dass mir dabei die Kette abfiel. Also Werkzeug auspacken, mich über die Wartungsklappe freuen und an schmutzige Werk machen. Hier kommt ein Deutscher auf seinem Tieflieger vorbei (ja ich haben seinen Namen auch diesmal wieder vergessen, @speedmanager im Forum?) und fasst mit an und dann ist die Kette auch bald wieder drauf. Er erzählte, dass gleich ein Stück alte Bahnstrecke kommen müsste, die nach Art der Radbahnen in Deutschland und Ravels in Belgien als Radstrecke umgebaut wurde. Ich war mit dem einpacken noch nicht fertig, da beginnt ein heftiger Schauer, sodass ich ziemlich durchnässt einstiegen muss. Nach kurzer Fahrt wird eine Straße überquert und der Asphalt hört auf. Der unbefestigte Weg macht Schlenker und hat so steile Anstiege, dass ich aussteige um den Hinterreifen auf dem von Steinen durchsetzten Matsch nicht zu zerstören. Da kommt mir ein Randonneur entgegen- wir seien falsch. Genau! 10 m entfernt führt parallel ein gut asphaltierter Weg- die Radbahn. Und wie es sich gehört, ist sie eingezäunt und die Trasse so ins Gelände eingeschnitten, dass wir wirklich ganz zurück müssen, um die Einfahrt zu erreichen. Es folgen 1,5 km wirklich glatter Weg, auf dem mein Vogel so rennt, wie ich es aus Deutschland kenne. Also hat ca. 1 Promille der Strecke wirklich guten Belag. Und dann ist Edinburgh erreicht. Wieder werde ich von Randonneuren und deren Begleitern umringt und ausgefragt. Hier ist das Essen im Vergleich zu allen Kontrollen zuvor enttäuschend: Als warme Mahlzeit gibt es nur Baked Beans auf Toast. Immerhin gibt es Bananen und Flapjacks- Haferkekse, die ich mir jeweils als Proviant für die Weiterfahrt einstecke.

Für die 81,4 km mit 768 hm brauchte ich 3:46 bzw. 4:22 h. Stempelzeit in Edinburgh war Dienstag 1.8. 9:32 Uhr. Damit lag ich 10 min hinter meinem Zeitfenster zurück. Während der Vorbereitungen zu Hause war bei den Überlegungen, wie schnell ich den sein könnte, mein worst-case Szenario, dass ich am Montagabend in Edinburgh schlafen würde.

Die folgenden Etappen nach Innerleithen und Eskaldemuir sollten mit 43 und 49km Länge scheinbar kurz sein. Die nächste zurück nach Brampton nur wenig länger. Aber hier ging es in den sog. Lowlands immer wieder richtig rauf und runter. Die abgelegenen Täler sind herrlich schön, die Schafe blieben brav auf ihren Wiesen und die am Straßenrand nahmen meist Reißaus, wenn ich mich bemerkbar machte.

Ich brach um 10:38 wieder in Edinburgh auf und stempelte um 13:08 in Innerleithen. 2,5h  für 43 km, davon die Hälfte berab: die Anstiege waren richtig anstrengend! Als ich dort ankam, hatte ich beste Laune und echten Heißhunger und das gebotene Essen mundete vorzüglich. Vor dem Weiterfahren pumpte ich den rechten Vorderreifen wieder nach, zumindest war das mein Plan. Nach dem Reifenwechsel vor New York hatte es bald noch einmal vernehmlich gezischt. Da aber, bis ich ausgestiegen war, da Zischen aufgehört hatte und der Reifen noch einigen Druck hatte, gab ich der Pannenmilch eine Chance sich zu bewähren und pumpte nur nach- auf ca. 6 statt auf 8 bar, wie sonst, um den kleinen Latexklumpen nicht wieder hinauszupressen. Das wiederholte ich dann auf jeder folgenden Kontrollstelle mit den guten Standpumpen, statt mit meiner kleinen Notfallpumpe ohne weiteren Zeitverlust. In Innerleithen aber entwich dabei dann alle Luft mit einem deutlichen Zischen. Also musste der eine meiner leichten Reservereifen durch den anderen, ebenso leichten ersetzt werden.

Nach dieser Verzögerung brach ich dann nach Eskaldemuir auf, einem kleinen Nest mit einem buddhistischen Kloster. Das vergoldete Dach des Tempels leuchtete auch an diesem etwas trüben Tag und am Straßenrand stand eine Nonne, wie in Asien in weite Tücher gehüllt. Auf dieser Etappe gab es drei Anstiege und drei Abfahrten. Schon nach der ersten Abfahrt war rechts vorne schon wieder platt! Nun musste ich den letzten Reservereifen montieren, den ich im Velomobil dabei hatte, ein mulmiges Gefühl. Hier hielt ein Franzose mit dem Auto an, der seinen Bruder als LEL- Teilnehmer betreut. Er half mir bei der Reparatur und schenkte mir noch einen seiner Reifenheber, der einige Arbeitsschritte besonders einfach macht. Merci beaucoup, Monsieur!

Bis Eskaldemuir waren es mit dem Abschnitt nach Innerleithen zusammen 94,4 km mit 1104 Höhenmetern. Die Fahrtzeit betrug 5:22:30h brutto mit der Pause in Innerleithen und den beiden Reifenpannen 8:04:29h.

Das kleine Gemeinschaftshaus in Eskaldemuir war vollgestopft, es gab wieder eine Stärkung. Dabei saß ich mit einem Paar am Tisch, die mir wieder von einem befreundeten deutschen Paar erzählten, die 2013 an LEL teilgenommen hatte und weiche die beiden genau auf diesem Streckenabschnitt kennengelernt hatten. Und wieder handelte es sich um Marita und Thomas Ritter! Ich versprach natürlich gerne, herzliche Grüße auszurichten und dann brach ich um 19:28 wieder nach Brampton auf. 14 km vor diesem Ziel war vorne wieder ein Platten. Dieses Mal zur Abwechslung links. Und ich bekam den verflixten Reifen ums Verrecken nicht von der Felge. Und es wurde dunkel. Und es fing an zu Regnen. Und ich bekam den Reifen immer noch nicht herunter. Ich stand etwas abseits der Straße in der Einfahrt zu einem Gewerbegelände. Die meisten Randonneure nahmen mich gar nicht wahr. Als ich anfing, auf die Frage „ Are you ok?“ mit „no“ zu antworten, fuhren sie trotzdem weiter, weil diese Antwort so unerwartet ist (?). Dann kam, es war nun schon richtig dunkel ein weißes Quest vorbei. Auch mit der Hilfe von Lucien Poppe, dem freundlichen Bekannten von Samstag bekamen wir den Reifen nicht herunter um zu flicken. Und in Brampton, im Drop-Bag musste noch ein neuer Mantel stecken! Lucien eröffnete mir, dass seine Frau unter den Volunteers in Brampton sei, und das Auto dabeihabe! Er wolle mit dem Velomobil nach Brampton fahren und dann im Auto mit meinem Beutel zurückkommen. In der Wartezeit aß ich etwas und macht mich dann noch einmal über den platten Reifen her. Es half alles nichts, herunter ging er nicht, musste er aber. Wie bei dem 300km Brevet im Westerwald wusste ich mir nur noch mit dem Einsatz von Messer und Zange zu helfen und zerstückelte den Reifen. Endlich kam Lucien, mit ihm der Beutel und der nächste letzte Reservereifen. Lucien fuhr gleich wieder zurück, um seine wohlverdienten Schlaf zu bekommen und ich hatte in wenigen Minuten den Reifen montiert und fing an ihn aufzupumpen. Als er so leidlich prall war, blockierte meine kleine Lezyne –Mini-Hochdruck-Standpumpe und ließ sich überhaupt nicht mehr bewegen, geschweigen denn damit pumpen.

Aber es war ja etwas Luft in den Reifen gekommen und so fuhr ich vorsichtig los. Nach etwa der Hälfte der Strecke war die Luft wieder raus. Ich musste also schieben. Auf einmal rief eine Stimme „Ist das etwa der Heiner?“ Es waren Gabi und Herrmann Winck, die hielten und mir eine ihrer Pumpen ausliehen. Schnell waren sie weiter, fast so schnell hatte ich wieder- und jetzt genug Druck auf dem Reifen und konnte die allerletzten km dieser Katastrophenetappe endlich hinter mich bringen. Stempel um 1:04, also schon Mittwoch! Damit liege ich 5 Stunden zurück! Essen duschen Schlafen in der bewährten Reihenfolge. Und mich am Anblick der handgeschnitzten Schuhe erfreuen. Aber auch gleich tief und fest schlafen- fast drei Stunden!

 

Tag 4:

An diesem Tag kam ich um 5:22 los. Vor dem Start hatte ich mit dem Mechanic versucht, meine Pumpe wieder gängig zu bekommen, das klappte aber auch bei ihm nicht. So kam sie noch nachträglich in den Drop-Bag und wird demnächst reklamiert.

Der Reifen hatte in der Pause die Luft gehalten- hatte sich da bloß das Ventilverklemmt? Ich fuhr jedenfalls erst einmal los. Ich war aber aus Barnard Castle noch nicht ganz heraus, als ich wieder austeigen musste. Wegen der Möglichkeit des Ventilproblems tauschte ich zunächst nur das Ventil aus und pumpte wieder auf. Das hielt aber nur 5 min. Also doch den Schlauch herausholen (Zum Glück kam der Mantel jetzt ohne Problem wieder runter!) Und tatsächlich war ein klitzekleines Loch in dem gestern neu aus der Verpackung geholten Schlauch- schnell geflickt und weiter geht’s. In diese Zwangspause kam von hinten das Quattrovelo von und mit Gert Beumer angefahren, der mir ebenfalls Hilfe anbot, die ich aber in diesem Moment abschlagen konnte. Gert hatte das 300km Brevet in Boekelo organisiert, an dem ich als letztes Training erfolgreich teilgenommen hatte, und mir und meinen Begleitern noch morgens um halb zwei in seiner Küche eine Suppe kredenzt.

So ausgeschlafen und frisch kamen mir die Wellen bis Ashton längst nicht so fürchterlich vor, wie auf der Hinfahrt befürchtet. Allerdings nahm ich die Gelegenheit wahr, mich in Ashton zu stärken. Sturmvogel blieb auf dem Marktplatz mit dem Kopfsteinpflaster an der Stelle stehen, bis zu der wir halt hoch kamen. Die 500 m zur Schule und zurück zu Fuß zu gehen machten den Kohl auch nicht mehr fett und waren für die Bein ganz angenehm. Das Steilstück in Ashton schob ich dann und ein weiteres kurzes Stück gleich hinter dem Ortsausgag ebenfalls.

Ja und dann kam Yad Moss erneut- und fuhr sich wieder ganz gut. Allerdings meldete sich wieder die linke Achillessehen. Kurz vor dem Gipfel wollte ich eine Verschnaufpause machen und sah von weitem den Camper von Drew, der an genau der richtigen Stelle Erfrischungen und zur Stärkung Flapjacks anbot- wunderbar. Ich fühlte mich n Paris-Brest-Paris vor zwei Jahren erinnert.

Die Abfahrt ging wieder gut, diesmal war kein Stau in Barnard Castle, wie auf der Hinfahrt, und das kurze steile Stück hinter der Brücke schaffte ich auch noch hinaufzutreten.

Hier machte ich als erstes einen Massagetermin aus. In dieser Stunde konnte ich bequem essen, dösen und die Trinkblase nachfüllen. Nach der Massage, die jetzt erste recht wunderbar war, tapte Mauro mir auch noch die Achillessehnen.

Ankunft in Barnard Castle war um 11:35 am Mittwoch, zehn Stunden hinter dem Zeitlimit und nur noch 400km vom Ziel entfernt. Ich hatte für diese Etappe also 5:10h gebraucht, von denen ich 4:26 fuhr, in dieser Richtung waren auf 83,5km 1054 Hm zu überwinden. Als ich als dem Eingang kam, stand das mir aus den Filmen von Matt Demon bekannte Tandem-Tricycle Rufus hinter Sturmvogel geparkt.

Gut erholt, enthusiastisch und ohne die Sehne weiter zu spüren fuhr ich um 13:38 wieder los. Es regnete, was mir nicht viel ausmachte und ichüberlegte ob es nicht vielleicht, ganz vielleicht noch reichen könnte mit der Zeit. Da war die halbe Stunde Zeitzuschlag wegen dem Umweg auf genau dieser Etappe und vielleicht bekäme ich die 1 ½ Stunden, die für Suche und Schnitzerei der Schuhe draufgegangen ja ebenfalls gutgeschrieben. Der Regen wurde etwas dünner und da tat es wieder einen lauten Knall. Der Reifen, den ich am Abend zuvor unter derartigen Mühen montiert hatte, platzte mitten in der Lauffläche etwas 5 cm lang auf. Und noch 30 km bis zur Kontrolle in Thirsk.

Ich besann mich auf die Stücke eines Mantels, die ich für derartige Notfälle im Gepäck hatte und legte ein entsprechendes Stück zwischen den neuen Schlauch und den Mantel und pumpte das ganze vorsichtig auf. Das hielt erst einmal also schlich ich weiter, dabei bildete sich eine zunehmende Unwucht. Zum Glück konnte ich in einer kleinen Autowerkstatt, an der ich bald vorbeikam einige Kabelbinder schnorren und die Stelle so von außen zusammenhalten. Nach 20 km versagte dann auch noch das Garmin seinen Dienst. Ich hatte es an die Powerbank gehängt, da der Akku zur Neige ging und an diesem extrem feuchten Tag brachte das das Gerät zum Absturz. Zunächst konnte ich einem Randonneur hinterherfahren, der nur wenig schneller unterwegs war, als ich mich traute zu fahren. Dann musste ich einem Krankenwagen mit Blaulicht ausweichen und der Gute war verschwunden. An der nächst Kreuzung stand ein Schild zu einem Café auf einem Campingplatz. Der Gedanke im Warmen zu sitzen, und über einem Tee zu versuchen das Garmin wiederzubeleben war verführerisch. Aber es war geschlossen. Nach dem Weg gefragt und endlich kamen auch wieder Randonneure vorbei. In Northhallerton, dem Ort vor Thirsk waren noch zwei Fahrradläden, die – natürlich – keinen passenden Reifen hatten. Kurz dahinter wurde meine Notkonstruktion platt. Nach einem Mal Nachpupen kam ich immerhin bis auf den Marktplatz von Thirsk, die letzten 1 ½ km schob ich dann.

 

Das Ende:

Die Schule war voller Randonneure in allen Stadien der Erschöpfung. Beim Mechanic gab es zwei kleine Kojaks und passende Schläuche! Ich hatte sich schon bezahlt und in der Hand als er sich noch einmal über die Radgrößer vergewisserte. 405? No, these are smaller, für einen Typ der Falträder.

In Pocklington, der nächsten Kontrolle wäre mein Drop-Bag und darin sollte noch ein Reifen sein. Jemand bracht mich auf die Idee mit dem Taxi den Beutel bringen zu lassen. Als ich das Team um Hilfe bat, dies zu organisieren, kamen sie von selbst auf eine gute Idee: Zwar ist es den Streckenpatrouillen nicht erlaubt, die gesamte Strecke bis zur nächsten Kontrolle abzufahren, aber man könnte sich ja mal in der Mitte treffen und dabei kann auch ein Drop-Bag übergeben werden. Neue Hoffnung keimt auf.

Erst einmal Essen und etwas ausruhen, dabei fange ich schon einmal an, anderen zu helfen, Tische abzuräumen … . Etwas später bereite ich dann alles für das Aufziehen des neuen Reifens vor, die Kabelbinder abzwicken, den Reifen und den Schlauch entfernen und entsorgen.

Und da ist tatsächlich mein pinker Beutel, darin zwei zusmamengerolllte Erlkönige mit dem Originalgummi. Den ersten geöffnet- falsch: 26“ fürs Hinterrad. Also der andere: wieder fasch: 26“ fürs Hinterrad.

 

Also komme ich hier dieses Mal im Milan nicht mehr weg.

 

Ich melde mich noch einmal beim Team, gebe meine Aufgabe bekannt und frage, wie ich ihnen helfen kann.

Clearing the tables bleibt mein Job, bis ich müde werde und ein Bett beziehe. Ausschlafen von 23.00 bis 5:00!

Nach der Dusche kann ich- der Beutel ist ja da- noch einmal frische Klamotten anziehen- das PBP-Trikot, dass ich bei der Ankunft in London tragen wollte… .

Nach dem kargen Frühstück, die Vorräte waren praktisch vollständig vertilgt, bekomme ich die passend traurige Aufgabe, die Banner und Hinweispfeile von den Zäunen und Metallgittern zu entfernen. Auf diese Art bekomme ich eins der LEL-Banner zum Mitnehmen, mal sehen, wo das zukünftig wohnen wird.

Der Schnellzug von Thirsk nach London King’s Cross nimmt an diesem Tag viele gestrandete Randonneure mit. Vier von uns werden im Auto zum Bahnhof gebracht, samt Gepäck eines fünften Mannes, dessen Carbonsattelstütze am Rahmen abgebrochen war. Die kurze Strecke zum Bahnhof konnte er ja bequem im Stehen fahren.

Ich begleitete auf der Reise nach Loughton Therèse (?), deren Mann noch unterwegs war. Sie hatte in Brampton als Volunteer gearbeitet- und war genau diejenige, die ich wegen der Sache mit den Schuhen als erstes angesprochen hatte. Mein französisch wurde langsam wieder, allerding fiel es meinem Hirn schwer, aus dem English-Modus ins Französische zu wechseln. Nach nur drei Stunden Bahnfart und zweimal Umsteigen in die U-Bahn waren wir in Debden und liefen noch 20 min bis zur Schule in Loughton.

Dort saßen schon etliche Randonneure um den Tisch und erzählten sich ihre Abenteuer, Namen fallen mir nur von Frank und Alex an, die beide ebenfalls abgebrochen hatten. Gerne hätte ich noch eine Weile bei Ihnen gesessen und auch ein Bierchen getrunken, aber ich musste mit dem Auto ja wieder nach Thirsk.

 

Rückreise:

Bis 18:00 Uhr war ich mit einem Zwischenstop wieder in Loughton. Mark aus dem dortigen Radsportclub hatte für etwaige Fälle seine Garage zur Verfügung gestellt. Neben meinem Sturmvogel wartete noch ein weißes Zox auf seinen Fahrer, das auch fußkrank wurde und dieselbe Reifengröße benötigt hätte, wie ich.

Wenn man schon einmal so weit im Norden ist, ist die Fähre von Hull nach Rotterdam nach Hull eine verführerische Option. Während ich auf der Autobahn war, hatte meine Frau mit mir am Telefon das durchgeplant. Da wir beide Uhren vor Augen hatten, auf denen die deutsche Zeit angezeigt wurde, schien es aber zu knapp für die Abendfähre dort zu werden. Außerdem gab es Berichte über Staus. Man konnte auch nicht nur vorreservieren und bei Nichterscheinen wären die 450 Pfund futsch.

Als ich mit Mark die Sammlung seiner Rennräder bewundert und einen Kaffee getrunken hatte, war Sturmvogel schnell im Auto verstaut und noch reichlich Zeit für die Fähre in Hull. Dort angekommen gab es aber keinen Platz mehr für meinen Bus.

Dann also Fähre in Dover (110 Pfund). Nur erst einmal hinkommen.

Autofahren im Randonneursmodus auf nostalgischen Routen: ich fuhr über die Humber Bridge, hielt in Lincolnshire an einem Burger-Restaurant, an das ich mich von der Hinfahrt erinnerte und fuhr dann weiter in die Nacht. Die Autobahn sollte vor dem Erreichen der M25 nachts wegen Bauarbeiten gesperrt werden, also versuchte ich weiträumig auszuweichen, doch das Navi führte mich immer wieder auf die gesperrte Piste zurück. Ich weiß nicht wie oft ich zwischen Stansted und Gt. Dunmow hin und her gefahren bin. Zudem führten die Doppelkreisverkehre an den Auffahrten auch im Auto zur Verwirrung meiner Orientierungsfähigkeit.

Schließlich machte ich das Navi ganz aus und fuhr nach Karte in Richtung Südosten, wobei mir die Gelegentliche Verwechslung von Colchester und Chelmsford auf den Verkehrsschildern weitere Schleifen eintrug. Und auf einmal waren da wieder Randonneure unterwegs, abgekämpfte Schatten ihrer selbst, stoisch im Wiegeschritt über die Hügel kämpfend. Ich selbst war schon vor über 24 Stunden ausgestiegen und konnte sie nur langsam und vorsichtig überholen. Immerhin schallten die Beatles mit „A little help from my friends“ aus dem heruntergelassenen Fenster. Selbst die Einfahrt zur Kontrolle in Gt Euston habe ich passiert. Der frische Wind muss den Leuten den ganzen Tag über schrecklich zugesetzt haben. Irgendwo habe ich noch einmal Pause gemacht und war dann endlich um kurz vor fünf in Dover am Fährhafen. Die Fähren hatten wegen des Windes und Seegangs ebenfalls Verspätungen.

Ich wurde noch zur Zollkontrolle rausgewinkt. Bitte die Heckklappe öffnen und da grinste sie der Sturmvogel an.

What‘s that???

A pushbike.

A pushbike ???

Ein paar Erklärungen und Händedrücke später durfte ich dann zum Schiff.

Das erste Frühstück hatte ich auf der Fähre, kurz vor den Niederlanden trank ich noch einmal einen Kaffee an der Autobahn und war am frühen Freitagnachmittag wieder zu Hause.

 

Fazit:

LEL ist eigentlich eine ganze Serie von Brevets.

Es ist mit dem Velomobil –für mich- prinzipiell machbar.

Schnelle Rennreifen sind für schnelle Rennstrecken. Auf schlechten, langsamen Straßen haben sie keine Vorteile aber eine enorm verkürzte Lebensdauer.

Wenn man besonders oft Pannen oder Probleme hat trifft man besonders oft besonders nette Menschen.

Der Weg ist und bleibt das Ziel – das Abenteuer beginnt gleich um die Ecke.

Man soll seine Schuhe nicht aus der Hand geben.

 

Nach zwei Tagen zu Hause: keine wirklichen körperlichen Probleme. Die Sehnen haben sich abgeregt, das Bindegewebe und Knie- und Sprunggelenke war nach der  Autofahrt schmerzlos geschwollen, das hat sich bis heute fast vollständig gegeben. Schon am Donnerstag konnte ich auf der Bahnfahrt alle Treppen in normalem Tempo hinauf- und heruntergehen; das war vor zwei Jahre bei PBP deutlich anders.

 

NACA-Duct und Wartungsklappe sind großartig!

 

Der Trinitas-Scheinwerfer schafft praktisch im gesamten Blickfeld eine gleichmäßige Helligkeit. Zumindest bei der derzeitigen Einstellung ist mir aber die Straße unmittelbar vor mir zu flau beleuchtet. In Kombination mit dem normalen Scheinwerfer aber eine wirklich gute Kombination. Der Taster für die Fernlichtfunktion liegt genau richtig.

 

Die neuen Vorderräder: Die Bremsen haben durch die Kühltürme enorm an Standfestigkeit gewonnen, das war nie ein Problem (Systemgewicht ca. 135 kg, 70mm Trommeln).
Die Felgen für tubeless sind jedoch eher nicht meins. Die schwierigere Montage macht doch gelegentlich zusätzliche Probleme, auf die man als Randonneur gut verzichten kann.

 

LEL für mich: Eine großartige Erfahrung

 

Ein ganz, ganz GROSSES DANKESCHÖN an die Organisatoren und Volunteers, ohne die dieses Abenteuer in dieser Form nicht denkbar wäre!

 

Flèche Allemagne 

dievelonauten

Der Fleche Allemagne 2017 zur Wartburg in Eisenach startete in diesem Jahr bei uns in Lotte. Mit von der Partie waren Heiner, der auch im letzten Jahr schon die Sternfahrt nach Belgien mit uns gemacht hatte, Norbert, den wir von anderen Brevets kennen und Holger, den wirbei den Sternfahrten zur Mitte Niedersachsen kennen gelernt haben.

Die Aufgabe des Fleche Allemagne bestand darin, dass mindestens 370 km in 24 Std.auf dem Radzur Wartburg anzureisen waren, wobei mehrere Kontrollstellen absolviert wurden. Ca 200 Teilnehmer in70 Teams aus allen Teilen Deutschlands starteten am Samstagmorgen. Da wir mit den Velomobilen an den Start gingen, absolvierten wir die Hin- als auch die Rückfahrt auf eigene Achse, also waren es am Ende 720km.

Zum Glück waren die Wetterverhältnisse optimal, nur Nachts wurde es bei Temperaturen um des Gefrierpunktes ungemütlich kalt und ausgerechnet um diese Zeit hatte Heiner einen Kettenabwurf, der aber glücklicherweise ziemlich zügig behoben werden…

Ursprünglichen Post anzeigen 121 weitere Wörter