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BRM 200 rondom Bourtangermoor

schnelle Trainingsrunde statt Brevetmodus

Irgendwie ist die Saison gelaufen. Die großen Herausforderungen Bayern 1000 und HBK sind (schöne!) Erinnerungen. Die Tage sind schon verdammt kurz. Der Sommer hat dem teils windigen und regnnerschen Herbst Platz gemacht.
An den Tagen, an denen irgendwo erreichbar Brevets im Kalender stehen (RrtY: Randonneur round the year, mindestens ein (homologisiertes) Brevet pro Monat) gibt es auch noch andere Temine.

So wie am 22. September. Das Abschlussfestival der 42. Internationalen Sommerakademie im Kloster Frenswegen lockt mit Kammermusik vom Allerfeinsten. Freitag Abend: Konzert; Freitag Nacht: Konzert im Kerzenschein.
Picknickkonzert am Samstag nachmittag? Ohne mich.
Aber das Festkonzert am Samstag abend würde ich mir, frisch geduscht und hellwach schon sehr gerne geben…

200 flache km bot der Track. Da ich noch immer nicht weiß, wie ich mein Wahoo Elmnt dazu erziehe, Wegpunkte so anzuzeigen, dass ich sie nicht verpassen kann, habe ich den Track in Einzeletappen zerlegt. Die Reifen sind ok, die Lichtbatterie ist geladen, aber wer braucht schon Licht? Windig und meist trocken, aber relativ kühl war als Wetter angekündigt.
Eine schnelle Runde, sieben Stunden incl. Pausen erscheint nicht unmöglich.

Früh Morgens den Vogel ins Auto gehievt und tatsächlich um kurz vor sieben Uhr losgekommen. Ankunft am P+R- Parkplatz Meerland am Rand von Groningen um 8:20. Auf dem letzten Stück Autobahn überholt mich ein VW-Bus mit HH-Kennzeichen und Rennrädern hinten drin. Wo die wohl hinwollen?

Jetzt noch in die Stadt: Zentrum Marktplatz nach Norden raus, dabei links halten; so sah das auf der Karte aus. Am Markt überholten mich zwei RRR (Rennradrandonneure), drangehängt- verfahren. Na es war nicht mehr weit zu Café Spaak. Eine sehr sympathische Kombination eines kleinen und feinen Radladens mit einem trendigen Café. Drinnen einige bekannte Gesichter vom Niederrhein, Eva N aus Dronten (heute im QuattroVelo; später sah ich, sie ist (natürlich?!) schon über 100km mit dem VM zum Start gefahren und würde abends auch wieder nach Hause radeln. Vier Velomobile am Start, ein gelbes Strada, ein cremegelbes df (Marc), Evas QV und mein Milan. Keine Liegen. Vielleicht 40 oder 50 Rennräder.

Meine Geduld reicht nicht, um von ganz hinten zu starten und schon im Stadtgebiet habe ich die meisten RR schon wieder hinter mir, ganz abgehängt waren sie aber nicht. Die letzten traf ich nach der dritten Kontrolle im Emsland noch einmal wieder (Chapeau!). Der Weg auf dem Hoornsedijk war mit feuchte Oberfläche und vielen Kurven nicht zum reinen Hezen geeignet. Aber ich merkte schon, die Beine waren nicht schlecht. Zunächst hinter dem Strada her, dann auch das df überholt, ließ ich es einfach laufen. In Rolde erwischte ich dann gleich zwei falsche Abzweigungen – und schon fuhr ich wieder hinterher.

In Borger stand das df vor einem Restaurant, Marc und ich machten uns bekannt, und ich erhielt ich eine Unterschrift, keinen echten Stempel und offenbar waren wir eigentlich an der falschen Adresse.

Zum Laden des neuen Tracks beendete sich die Aufzeichnung des Elmnt. Hmm, blöd, es hatte doch schon funktioniert, mehrere Tracks auf einer Fahrt zu verbinden?!

Vor dem Kreisverkehr mitten im Ort stand ein Schild für Fahrräder verboten. Ich sah es so spät, das ich reflexhaft auf irgend son Radweggedöns auswich. Dann noch der Wirrwar auf dem Markt… Das ommt davon, wenn man auf dem Display nicht sieht, woher man kam und kostete mehrere Minuten bis ich endlich wieder richtig unterwegs war.

Also konnte ich unbehelligt mein eigenes Tempo fahren. Kurz vor der Kontrolle in Hebelermeer verpürte ich das eine oder andere natürliche Bedürfnis. Der Gasthof Robben mit seinen weit hintenverstcketen aber modernen und sauberen Sanitäranlagen kam wie gerufen. Und die niederländischen Ruppelpisten mit Grobasphalt und und Klinkerwegen waren für erste endlich vorbei- so ein elendes Gerappel!

Ein alkohlfreies Weizen später – zwischenzeitlich kam noch ein Randonneur an und trank einen Tee- machte ich mich wieder auf – und neben Sturmvogel stand das gelbe Strada.

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Der schaut aber streng!

Auf deutschem Asphalt lief es so richtig gut. Der Wind frischte dabei so sehr auf, dass ich immer mindestens ein Gummi des Lukendeckel festgehakt hatte und zumindest auch eunmal in (Not-)Bremsbereitschaft ging! Einmal aussteigen am Ortsausgangsschild von Heede zum Kontrollselfie.

Immer noch ziemlich genau am Anfang Zeitkorridors im Brevetheft- schick! Freie Kontrolle in Bunde (Ostfriesand) wurde die Araltankstelle am Ortsausgang hier eine kurze Pause und ein Eis. Nur noch 58 km! Gegen den Wind, aber das macht mir ja nichts aus. Und das bisschen Regen, dass gegen Ende wieder dazukam, macht nun auch kein Problem.

Mit Einrechnen des langsamer Stadtverkehrs schien mir 15:45 eine realistische Ankunftszeit zu werden. Dann kamm aber der Eemskanaal. Zuerst ging vor meiner Nase die Hubbrücke hoch und ließ einen Schlepper und dann einene dicken Tanker vorbei, den ich doch vorher schon überholt und vermeintlich abgehängt hatte. Und dann verpasste ich auch noch die einfache Auffaht auf den Deichweg am Eemskanaal undmusst auf dem Rasen vom Spielplatz wenden und die letzte scharfe Kurve doch noch schieben. Also war es 15:56, als ich im Ziel war. Die sieben Stunden brutto haben also gut geklappt!

Marc’s df stand schon vor dem Café, er hbe bei dem Wind ein paar Mal an mich und meinen Milan gedacht 😉
Ich beak noch einen Apfelkuchen zum Kaffee, fand noch eine hübsche und robuste Klingel für das Laufrädchen, das meine Enkelin nächste Woche zum zweiten Geburtstag bekommt und kam gleichzeitig zu Hause an, wie meine Frau, als diese aus dem Picknick-Konzert nach Hause kam. Und: das Abendkonzert war wirklich GROSSARTIG.

Fazit:

– Gut 200 km mit einem Schnitt von 33km/h und einem Durchschnittspuls von 132 geht!
– Die neuen Dämpfer, die Harry eingebaut hat, vermindern die Anzahl von Aufsetzern ganz erheblich.
– Selbstverpflegung mit Randonneursstullen klappte den ganzen Tag über problemlos. Getrunken habe ich ca. 2,5l Apfelschorle aus dem Trinksack und ein Hefeweizen.
– gefühlt war das eine schnelle Trainigsrunde mit Homologation.
– Irgendwie muss ich noch ein paar Tricks für den Umgang mit dem Elmnt einüben.

Mal schauen, ob es im Oktober wieder so glatt geht. Nach dem BRM 200 in Eindhoven ist in Nordhorn wieder ein Kammermusikkonzert.

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unverhoffte Tour am 1.9.18

Die Wochenenden, an denen ich nicht in der Vorplanung mit meine Liebsten ein Brevet angemeldet, abgesprochen und genehmigt bekommen habe sind primär quality time für/ mit der Partnerin und Familie.

Am vergangenen Wochenende war aber sie es, die einen Auftritt hatte, Freitags Generalprobe und Samstag Vormittag die Aufführung.
Also habe ich einmal recherchiert, was für Touren in der Gegend anstanden und freute mich, dass dies genau der Tag der RTF der Radsportgruppe von Vorwärts Nordhorn war.

Die homepage verwies auf Facebook (das habe ich ja letztens zähneknirschend wieder aktiviert, um genau solche Informationen erhalten u können, nicht um mich dort nackig zu machen). Startzeit von 8-10:00Uhr, Strecken zwischen 50 und 200km.
Dazu die Wettervorhersage: prächtig, nur morgens etwas frisch.

Blieb die Frage 120 / 150 mit der Liege oder 200 mit dem Velomobil?
Mein Freund ML, der sich bei Vorwärts sehr engagiert, war für eine Absprache nicht erreichbar.
Sturmvogel hatte am Hinterrad etwas Luft verloren. Wenn die nach dem Aufpumpen hielt, wollte ich mit ihm die 200 angehen, sonst eine der kürzeren Strecken mit dem Nachtwolf.
Abend war klar: der Reifen hielt sie Luft und so war das auch geklärt. Eine passend kurze Hose fand ich nicht, die scheine ich alle in der Wohnung in Bonn gebunkert zu haben, einen Sportunterhose und Knielinge sollten es dann für den kühlen Morgen auch erst einmal tun. Dazu das Trikot von HBK …

Morgens war relativ wenig los, bei Vorwärts. Als ich in dem oben beschriebenen Aufzug aus dem Vogel hüpfte, sorgte das schon für ein wenig Heiterkeit.
Ein Schwätzchen mit ML, ein paar andere Gesichter erkannte ich auch wieder. Es war auch noch Zeit für einen Kaffee und dann war es 8:00. Irgendwie fand ich keine echte Gruppe, rollte vor bis zur Stelle, wo sonst der Startschuss gefallen war. Niemand außer Jugendkickern, die sich wunderten, was denn neben Fußball noch passiert. Irgendwer fuhr da vorne schon. Nun denn man los.

An der ersten Abbiegung kam ich noch aus dem Gedächtnis klar. Bis zur nächsten hatte das Wahoo-Navi aber den Track immer noch nicht wieder angezeigt. Also noch einmal rausgefahren, Navi neu gestartet und dann lief es wirklich.

Die Strecke ist wirklich sehr sehr schön. Und auch wenn ich fast alle Ecken schon kenne, habe ich doch ein paar neue Verbindungswege kennengelernt. Natürlich muss man in der Grafschaft die vorhandenen Profilierungen des Geländes optimal nutzen, wenn man eine sportliche Radroute plant und so wurde um den Lönsberg und über die sogenannten Wilsumer Berge ein raffiniertes Hügelrecycling betrieben.
Die erste Kontrolle am Gildehause Mühlenberg nach dem 15%-Stück war mit den Krantenweggen willkommen. Die nächste am Wanderparkplatz in Hezingen auf der holländischen Seite sollte mehrfach angefahren werden. Hier würden sich auch die verschiedenen Streckenlängen aufzweigen.
Am Wendepunkt der Nordshleife in Emlichheim sollte eine freie Kontrolle in einer Bäckerei sein. In der erste Bäckerei, die ich sah, wusste man von nichts aber einen Milchkaffe und ein Mett- und ein Eibrötchen (nicht immer nur Süßkram!) bekam ich natürlich trotzdem. Als ich wieder aufbrach, kam ein RRler vorbei, der sich an mich dran hängte. Als wir aus dem Ort wieder herauskamen hielt ich noch einmal an und fragt ihn, ob er wirklich ohne Stempel (und Stärkung!)  weiterfahren wollte. Er hätte ja gar kein Schild gesehen… Aber dazu war das ganze ja als GPS-RTF angekündigt.

Als ich wieder in Hesingen war wunderte ich mich, dass kein Schlenker zu der Verpflegungsstation eingebaut war, die Westschleife der Strecke schloss sich unmittelbar an. Mein Trinkbeutel war immer noch ausreichend gefüllt, sodass mir das nicht wirklich etwas ausgemacht hatte, aber die RR-Fahrer hatten 60km hinter der freien Kontrolle womöglich doch schon länger eine leer Trinkflasche.
Bei der Kontrolle waren dann tasächlich noch zwei Radler, die auch auf der langen Strecke fuhren und so langsam aufbrachen, dass ich nach einem Joghurt und ein paar Bechern Tee vor ihnen wieder auf die Strecke kam.
Kurz nach dieser Kontrolle war dann mein Trinkbeutel auch leer, aber es waren ja nur noch wenig mehr als 15km ins Ziel.

Mit dem Fehlen des oder der ersten km in meiner Aufzeichnung habe ich brutto 6:34h für 192 km gebraucht, davon waren 6:06h in Bewegung. Weniger als eine halbe Stunde für vier Kontrollen finde ich als Pausenmanagement jetzt nicht so schlecht.
Immerhin kamen fast 800 Höhenmeter (laut Wahoo) zusammen.

Fazit:
Sehr schöne Tour durch unsere schöne Gegend beidseits der holländischen Grenze mit beliebigen Variationsmöglichkeiten.
Durchaus gut fürs Velomobilgeeignet!
Mit etwas mehr Vorlauf und entsprechender Planung kann ich solche Touren als DIY-brevet bei AudaxUK anmelden, sodass sie für den Randonneur round the year zählen können 😉

https://www.strava.com/activities/1811768106

Die Medaille verpasst, die Testfahrt mit Bravour bestanden

BRM 1000 „Die große Acht von Bayern“ oder des Nachtwolfs erstes Brevet

Geschichten über die Brevets von Karl Weimann kursieren zahlreich in der Szene und besonders der 1000er ist legendär. Gespickt mit Höhenmetern und vielen oft steilen Anstiegen nichts für mich im Velomobil. Aber eine Herausforderung mit der Liege zu fahren? Nun passte der auch noch als einziger 100er in diesem Jahr in meinen Kalender und so habe ich mich im Winter schon mal angemeldet.

Auf der Spezialradmessen Spezi in Germersheim im April hatte ich en Wolf & Wolf probegefahren und ausmessen lassen. Am Stand wurde etwas von Lieferzeiten bis Ende Mai erzählt. Nach einmaligen Überschlafen habe ich fest bestellt – und bekam dann einen Auslieferungstermin Mitte Juli betätigt. Durch ein paar freundliche Mails und Telefonate konnte ich den Abhol- (NICHT Liefer-!) Termin auf den Abend vor dem Start vorverlegen. So waren nach dem vorgezogenen Feierabend am Mittwoch noch 1000 km Autofahren und der  -sehr, sehr nette und interessante -Termin bei Wolf und Wolf in Muttenz zu absolvieren.
Schließlich erreichte ich den Startort Treuchtlingen kurz nach 2:00h früh und schlich mich möglichst leise in den Gymnastiksaal im Turnerheim, der leicht durch ein paar Schnarcher als Schlafraum auffindbar war.

Die Wettervorhersage für den ersten Teil des Brevets war in der letzten Zeit von Tag zu Tag schlechter geworden- und so kam es dann auch.

Vorbereitungsphase:
Ich hatte dieses Jahr versucht, nicht nur viele km, sondern auch viele Höhenmeter in die Beine zu bekommen, um für dies Herausforderung gewappnet zu sein. Ein hoffentlich gut geeignetes Fahrrad würde ich besitzen. Der 600er im Bergischen Land und die lange, hügelige Version von Burning Roads fuhr ich mit dem Milan, um den Trainigseffekt zu vergrößern. Meine Bonner Feierabendrunde wurde auf viele Höhenmeter je km optimiert. Allerdings kam ich zu dieser Runde relativ selten, weil ich im Institut doch relativ stark eingespannt war. So sehr, dass diese beiden Veranstaltungen keinen eigenen Bericht bekamen 😦
Das Brevet ging am Feiertag am 31.5. bei heißem Sommerwetter in Troisdorf los. Mit dem neuen Wahoo- Navi hatte ich noch nicht viele Erfahrungen gesammelt und stand dann kurz nach dem Start, wo ich mit Rennradlern mitgefahren war erst einmal orientierungslos in der Siegaue. Schließlich fand ich meine Route die Sieg aufwärts bis zu Quelle und wurde besonders bei dem letzten steileren Stück in meiner „Sauna“ bemitleidet. Der 3l-Beutel war kurz vor der Siegquelle leer und konnte aus der in einen Steinbrunnen gefassten Quelle wieder aufgefüllt werden. Nun km die lange Abfahrt von der Lahnquelle bis zur Mündung. Hier lief der Vogel richtig gut. Gegen 20:oo Uhr investierte ich in der Altstadt von Limburg eine gute Stunde Tageslicht in eine Rast um noch etwas Warmes zu essen und hatte Gespräche mit vielen interessierten Passanten und Kindern.

So wurde es nach dem Aufbruch rasch dunkel. Das Wetterleuchten im Westen nahm überhaupt kein Ende, Donner war zwar nicht zu hören, aber da braute sich offenbar etwas zusammen.
Gegen eins in der Frühe war ich an der Kontrolle in Koblenz und wollte noch nicht schlafen. Knapp zwei Stunden weiter Mosel-aufwärts kam ich n einer Tankstelle vorbei, die vollständig im Dunkeln lag. Genau richtig um den Milan trocken unterzustellen. Nach hinten zur Bahnstrecke gab e ein paar Holzbänke, dort rollte ich meinen Schlafsack aus. Irgendwann fing es an zu regnen und ich zog auf den gepolsterten Teil des überdachten Geländes um- auf die Fußmatte vor dem Tankstellenshop. Der Fahrer, der die Kisten mit den Aufbackbrötchen brachte entschuldigte sich für die Störung ;-).

Etwas später fuhr ein Auto an mir vorbei auf das Gelände, die Lichter im Shop gingen an und bald danach öffnete sich auch die Schiebetür hinter mir; Zeit aufzustehen. Nach einer langen Ansprache, wie gefährlich es ist wenn man so ein Ding dahin stellt, wo man immer zum Parken langfährt bekam ich doch meinen Kaffee, eine frische Zimtschnecke und –herrlicher Genuss- das erste, heiße Schinken-Käse-Croissant des Tages …

Der Regen hatte erst einmal aufgehört, vor der Kontrolle in Zell war ein „Abkürzung“ über die Hügel südlich einer Moselschleife eingebaut und dann ging es bei Bad Bertrich hinauf in die Eifel. Vor diesem Anstieg hatte ich einen Heidenrespekt, weil sich vor zwei Jahren bei der Abfahrt mit unserem Tandem die große Vorderradbremsscheibe bläulich verfärbte. Glücklicherweise verpasste ich den Abzweig zum direkten, geraden, schmalen Fahrradweg und fand die in Serpentinen geführte Straße immer noch steil, aber gut zu fahren. Hier fing es wieder an ernsthaft zu regnen und sollte bis zum Ziel und Bonn auch auf den nächst noch fast km nicht mehr aufhören. In Laubach, am höchsten Punkt der zweiten Hälfte fand ich im zweiten Anlauf ein Restaurant, Suppe, Tee, Nudeln, Eis. Vor der anstehenden Abfahrt zog ich- erstmals im Velomobil- die Regenjacke an –und bis nach Hause auch nicht mehr aus.

Fazit: lange, anstrengende Tour, trotz Unwetter und vielen Baustellen aber gut überstanden.

Zehn Tage später fand in Ochtrup der Radmarathon Burning Roads statt. Hier wollte ich aus Trainingsgründen die längere und anspruchsvollere Route nehmen. Am Start waren um fünf Uhr früh neben dutzenden Rennradlern, noch ein Milan (der wegen Panne relativ bald ausfiel und @Berbr mit seinem Quattrovelo (QV). Die Beiden waren mir schon bis zu den ersten Hügeln etwas zu schnell und ich ließ sie ziehen. Da ich die erste Verpflegungsstelle 10 km später erwartet hatte, habe ich sie übersehen und später doch Hunger und Durst entwickelt. Vor der zweiten Verpflegung kam @Berbr wieder von hinten und wunderte sich- wie konnte man DAS denn übersehen? Wir quälten uns also weiter bei Sommerhitze alle nennenswerten Anstieg im Teuto hoch und bekamen so gerade eben an der dritten Verpflegungsstelle noch etwas zu Trinken; Nudeln waren auch noch da. Nach dieser Station wechselten wir auf den flachen Routenabschnitt und es lief besser. An einer Kreuzung, bei der wir hielten, um den Verkehr auf der Hauptstraße abzuwarten, waren wir Anlas für einen Verkehrsunfall: ein junger Mann bog mit seinem Auto nach rechts in die Straße ab, auf der wir auch weiterfahren wollte. Er freute sich so über die Velomobile, dass er sich nicht richtig auf seine Kurve konzentrierte und in den dort wartenden, uns entgegenkommenden Wagen fuhr. Armer Kerl. Nach einer kostenlosen Belehrung durch die hinzugerufenen Polizisten über Velomobile (die sie noch nie gesehen hatten) im Verkehr konnte iwr etwa eine Stunde später weiter. In Ochtrup gab es noch Abendessen in einer Altstadtkneipe- hier fand ein kleines Forumstreffen statt, weil die Velomobilisten, die die kurze Runde gefahren waren dort, geduscht, gefönt und gut gelaunt schon saßen, als wir dazustießen. Die Abschlussfahrt für das Nordhorne Stadtradeln war dann 65 Tage später wieder einmal die Heimfahrt aus Bonn.

Zurück nach Treuchtlingen:
Gegen halb acht wurde ich wach, es gab leckeres, ausgiebiges Frühstück und viele mehr oder weniger bekannte Randonneure und somit eine Menge launiger Gespräche.
Ich riss mich bald erste einmal los und holte das neue Rad aus dem Auto und hängte erstmals die Packtaschen an, fand eine Befestigung für die Trinkblase. Ein kurzes USB-Kabel in den „Plug“, die Ladestelle mit Dynamostrom  war genau richtig um das Wahoo-Navi zu erreichen ohne herumzuschlackern. Alles passte erst einmal. Die allgemeine Nervosität vor dem Start stieg an. Die Wolken wurden dichter und entließen schon einmal ein paar erste, noch völlig harmlose Tropfen.
Schließlich hielt Hedi Weimann ihre Ansprache, die Ausführungen zu der Geheimkontrolle am Duftbräu fand ich etwas kryptisch. Von der ausführlich vorgetragenen Beschreibung der Umleitung wegen Streckensperrung auf dem Track verstand ich mangels Ortskenntnis gar nichts.

Schließlich gings los, am Ende der Startgruppe 1 ließ ich viele Rennradler gleich davonziehen. Als wir auf die Straße herausfuhren kam uns @Nemberch auf seiner Rostbraunen entgegen. Er hatte die erste Reparatur einer unglaublichen Pannenserie schon absolviert und sich darüber verspätet.
Mein Rad lief nicht schlecht und fühlte sich gut an. Beim Losfahren nach der ersten Kontrolle in Wertingen machte ein RRler, der gleichzeitig aufbrach die Bemerkung nun seien wir wohl die letzten. Und wenn schon, es waren immerhin schon 1 1/2h Zeitpuffer. Das Tröpfeln wurde auf dem nächsten Abschnitt intensiver, mit Windweste und Knielingen fand ich es aber noch auszuhalten. Kurz vor der zweiten Kontrolle in Landsberg am Lech ging der Niederschlag in ernsthaften Regen über. Nach gut km war der Zeitvorsprung auf über 3h angewachsen. @Fafnir auf seinem M5-Renner und ich fuhren das letzte Stück dieser Etappe zusammen- ich hatte ihn bei seiner kurzen Pause in irgendeinem Bushäuschen überholt. Er wunderte sich, dass ich mit DEM Rad schon so weit gekommen war und so zügig unterwegs war. Das klang nach einer Warnung es nicht zu übertreiben, aber ich fuhr eigentlich auch auf dem gemeinsamen Stück nicht über meine Kraft.
In Landsberg hätt ich gerne etwas „richtiges“ gegessen, Nudeln, egal ob Italienisch oder chinesisch. Der Chinese neben der Tankstelle hatte aber noch eine ganze Stunde zu. Also doch ein Brötchen und ein Kuchenteilchen im Supermarktbäcker gegenüber. Dort war es immerhin so warm, dass ich in den klammen Klamotten nicht fror.
Weiter ginge es dann- wieder allein- in Regenjacke. Und es regnete andauernd weiter. Das ließ sich zwar aushalten, aber außer grauen Wolken gab es keine Aussichten. Gegen 21:00h war ich in Seeshaupt am Starnberger See und fand ein italienisches Restaurant. Etwas später in Bad Tölz wäre wahrscheinlich überall die Küche schon geschlossen. Als der Padrone mit der Speisekarte kam wusste ich aber schon: schwarzer Tee, Minestrone und Spaghetti Bolognese, schließlich noch Mascarponecreme mit frischen Beeren. Bevor ich mich traute, auf dem Sitzkissen Platz zu nehmen zog ich mich erst einmal komplett um. Aus den Ärmeln der Regenjacke entleerten sich richtige Pfützen- die Hände am Lenker sind auf dem Wolf ein paar cm höher, als die Ellbogen 😮

Trotz der zuletzt deutlichen Anstiege kam ich um 23:00h in Bad Tölz mit 2 ½ h Zeitpolster ein. Nach der kurzen Nacht vor dem Start und bei dem Dauerregen hielt ich es für eine gute Idee, ein Hotelzimmer zu nehmen und den dadurch entstehenden Rückstand wieder hereinzuholen. Nicht um 5:00 sondern um 5:30 saß ich wieder auf dem Rad- mit 3 ½ h Rückstand. Am ersten Anstieg, kurz hinter Bad Tölz wunderte ich mich, ob mein linkes Knie so merkwürdig wackelt- es war aber die Kurbel die begonnen hatte sich zu lockern- sie soll ja auch nach 3-500km nachgezogen werden. Dabei hatte ich erst den Eindruck, dass genau der benötigt Imbusschlüssel nicht an meinem Werkzeug wäre- er saß aber nur auf dem anderen Hälfte des Multitools, als alle anderen Imbusse. Der Bäcker in Waakirchen kam dann zum Frühstück und Auffüllen der Brotdose gerade recht. Irgendwann stand ich dann vor der abgesperrten Straße zum Duftbräu und fand erst in Frasdorf wieder auf den Track. Ich schaute noch einmal nach hinten rechts in die Wolken, ob ich mir das Duftbräu noch antun sollte- und entschied mich dagegen. So erreichte ich kurz nach 11 am Vormittag Prien am Chiemsee mit 4 h Rückstand. Hier las ich, dass @Nemberch aus Wörth a.d. Isar im Forum fragte, ob ich dort schon durch war. Ich antwortete mit „Prien“ und erhielt die Antwort, er wolle in Wörth in km auf mich warten. Auf diesem Stück wechselte die Klimazone und es wurde wieder sommerlich schön. Um kurz vor 5 am Nachmittag kam ich dort an- in Erwartung, dass dieser ausgefuchste Randonneur mit mir zusammen versuchen würde, den Zeitrückstand von noch 2 ½ h weiter einzuholen.

Es stellte sich aber heraus, dass @Nemberch von Landsberg mit der Bahn nach Wörth gefahren war, um in Gesellschaft weiter zu fahren, als klar war, dass er selbst nach all seinen Pannen die Zeit nie und nimmer würde erreichen können. Und er machte mir klar, dass ich ohne Duftbräu ebenfalls keine Homologation erhalten könnte. Also beschlossen wir, touristisch bis nach Treuchtlingen zu fahren und unterwegs zu überlegen, ob und was von der Nordschleife uns noch reizen würde. Ich brauche eine ganze Weile, um aus dem Randonneursmodus herauszukommen und zu genießen, dass wir auf einmal alle Zeit der Welt hatten. Jedenfalls wurde die Essenspause in Wörth durch lange Gespräche beim ersten gemeinsamen Eis schon einmal länger, als ich sie alleine gemacht hätte. Immerhin holte ich mir in Kelheim noch einen Stempel in meine Brevetkarte beim Nachtpförtner der Fa. Fibres- und stelle erst jetzt, beim Schreiben fest dass sich da der Zeitrückstand auf fast 4 1/2h weiter vergrößert hatte. Wir fanden im zweiten Anlauf in Kelheim noch ein Restaurant mit Donauterrasse, wo wir einen Mitternachtsimbiss bekamen und brachen auf dem Track auf in die Nacht. Die Überquerung der Altmühl auf der längsten europäischen Holzbrücke brachen wir ab, weil @Nemberch nicht klar war, ob der Radweg auf dem Südufer asphaltiert wäre. In der Morgendämmerung, nachdem ich fast24h ohne Schlafpause unterwegs war fing er die Morgenstimmung mit einigen tolle Fotos ein- und mir fielen fast die Augen zu und es lief einfach nicht mehr. Er googelte nach dem nächste „EC-Hotel“, einem Geldautomatenfoyer einer Bank und so legten wir uns in der Volksbank in Walting für ein paar Stunden hin.

Der folgende Urlaubstag begann mit einem ersten Frühstück in der Sonne aus dem Reiseproviant. Wir lösten uns von Karls Track und hielten uns im Altmühltal. Der erste Halt war nach wenigen km Eichstätt, wo wir auf dem Marktplatz vor der Kathedrale bei Cappuccino saßen und uns unsere Geschichten erzählten- wobei ich genießen konnte, meistens zuzuhören. Nach dem Weißwurstfrühstück in der Post in Dollnstein (Zwei Radler und vier Paar Weißwürscht, bitte) machte ich noch ein Nickerchen, an eine dicke Weide am Flussufer gelehnt. Und schlief so fest, dass die Kinder von der Konfirmandenfreizeit mir quer über meine Schuhlaschen einen 2m langen Schilfhalm legten, ohne dass ich es merkte- die hatte ihren Spaß an „dem Typ da“. Bevor wir dort weiterfahren konnten musste @Nemberchs Vorderreifen noch einmal geflickt werden so etwa sein sechster Platte auf der Tour.

In Altendorf stach mich der Hafer und wir fuhren die steile Straße zu den Steinbrüchen (Solnhofer Schiefer, Archaeopteryx…) hinauf. Naja, die zweite Hälfte schob ich dann- und tropfte dabei meine Sitz nass, weil mir der Schweiß so aus allen Poren rann. @Nemberch konnte mir auf dem nächsten nicht so steilen Stück demonstrieren, dass er an seiner Rostbraunen gegenüber einem Nachtwolf sowohl den Längsten, als auch den Kürzesten hat- Er hat mit drei Kettenblättern und 3×9 Gängen einen größeren Entfaltungsbereich als meine 1×12 Gang-Schaltung.
Nach erstaunlichen Einblicken in ein paar der Steinbrüche wurden wir dafür durch die schöne lange Abfahrt nach Pappanheim belohnt. Hier war dann eine Pizza fällig, begleitet von vielen wilden Geschichten aus @Nemberchs bewegter Jugend- er war dort nicht nur zur Schule gegangen … .

So hatten wir diesen Tag gut herum gebracht und kamen mit beginnender Abenddämmerung wieder in Treuchtlingen an. @Fafnir und einige weitere waren ebenfalls als Abbrecher vor Ort und es trudelten auch die ersten Finisher ein. Wir drei Liegeradfahrer saßen jedenfalls lange draußen, hielten uns an einem Bier fest und fachsimpelten. Die beiden drängten mich sehr, doch noch eine Schaltung vorn anzubringen um sowohl einen noch kleineren ersten Gang, als auch einen größeren Gang zu haben, um bei Gelegenheit mehr Schwung in den Anstieg mitnehmen zu können. Mal sehen.

Fazit:
Dieses Brevet ist so schwer, wie man von ihm sagt. Und wohl leider der letzte 1000er gewesen, den Karl und Heidi organisieren.
Prinzipiell kann es mir aber gelingen, ausgeschlafen am Start und mit etwas besserem Wetter oder so.
Auch ein Superrandonnée ist mit dem Nachtwolf zumindest vorstellbar.

Fazit 2:
Dieses Rad macht mir richtig viel Spaß! (Kann man auf den Bildern von mir, die @Nemberch die ganze Zeit gemacht hat und ins Forum gestellt hat auch gut sehen)
Es läuft gut, ist im Antrieb und beim Bremsen steif und fühlt sich bei jedem Tempo (bis ca. 75km/h bin ich gekommen) total sicher an.
Die bei der Übergabe gewünschte Position für des Wahoo- Navi hat sich bewährt. Und die Halterung für den Lenkerhalter, die Florian und Gabriel so auf die Schnelle ausgedacht und gebaut haben somit auch!
Die etwas andere Sitzposition hat weder während noch nach der Tour zu besonderen Beschwerden/ Muskelkater  o. ä geführt. Trotz der tagelang durchnässten Hose hebe ich mir mit meinem Wolf keinen Wolf gefahren- im Milan scheuern sich bei langen Fahrten immer noch leicht meine Oberschenkelinnenseiten wund.
Die 12-fach Eagle-Schaltung ist sehr gut bedienbar und oft waren noch ein bis zwei Gänge übrig, wenn ich das Gefühl hatte es wäre richtig steil. An drei Stellen habe ich aber auch geschoben. Der Geschwindigkeitsbereich zum Pedalieren ist von knapp 5km/h bis etwas über 40km/h, beim Mitpedalieren nach einer Abfahrt mit sehr hoher Kadenz kann ich bei etwa 50km/h sinnvoll anfangen zu pedalieren.
Die Bremsen sind sehr gut und exzellent dosierbar. Die Mittelfinger am Bremsgriff reichen aus! Auch bei starkem Bremsen bleibt das Rad lenk- und beherrschbar.
Die Tubelessbereifung Almotion TLE hinten und Big Apple plus vorne- die Empfehlung von Randonneur zu Randonneur fuhr bisher auch auf Schotterwegen und Kopfsteinpflaster sehr gut. Am Ender der Tour hatte der Vorderreifen auf ca. 1,5 Bar Druck verloren, die Flanke fühlten sich nch nicht weich aber spürbar weicher an- das Fahrverhalten in Kurven und beim Bremsen war aber noch nicht auffällig.
Die Kurbel hatte sich gelockert- das unterstreicht die Sinnhaftigkeit einer Erstinspektion bei einem neuen Rad und kann niemandem vorgeworfen werden.

Dank:
An Heidi Weimann, die trotz der Sorgen um Karl dessen Wunsch, das Brevet durchzuführen umgesetzt hat!
An die anderen Helfer(innen), die uns Randonneure versorgt, verpflegt und uns so aufmerksam zugehört haben!
An @Nemberch für den Support und / Mit /durch die ganzen Geschichten; wenn Du in Produktion geht’s, will ich immer noch eins von Deinen Rädern haben!

Dank 2:
An das ganze Team von Wolf&Wolf. Nach dem Besuch auf der Spezi glaubte ich, dass ich meinen Wolf sofort auf ein Brevet nehmen könnte- jetzt weiß ich dass das stimmt. Ihr baut wirklich tolle Räder und Eure Werkstatt zu besuchen war in vielfacher Hinsicht ein Genuss!

Zum Baden ans Meer; die etwas andere Vatertagstour

Strava Screenshot

Den Himmelfahrtstag hatte ich bis eine Woche vorher nicht auf dem Schirm. Am Wochenende davor erfüllte ich Rainer Paffraths Bitte, die ARAL-Tankstelle in Nordhorn zu fragen, ob sie wieder als Kontrolle zur Verfügung zu stehen wollte.
Und bekam Lust, die lange Zeit bis zum 600er am 31. Mai mit einem Zwischenbrevet zu füllen. Ich bekam auch die Startfreigabe von meiner Liebsten und Rainer akzeptierte die Nachmeldung.

Also konnte ich Pläne schmieden. Ich war ja schon öfter mit dem Sturmvogel zwischen Nordhon und Bonn gependelt. Diesmal käme noch ein kleiner Umweg und eine neue Stecke hinzu. Und am Ende stünden 600 km auf meinem Konto bim Bonner Stadtradeln…

Früh aufstehen war auch angesagt. 4:00h früh Start heißt bis 3:30 die Brevetkarte abholen, heißt 2:30 in Godesberg losrollen… Dabei ließ ich mich von Routing der OSMand App auf dem Handy leiten und lernte einige enge Kurve und schmale Staßen in Bonn und Troisdorf kennen. Ich muss wirklich öfter in Spich starten, damit ich das Waldstadion alleine finde.
Also nach dem steilen Stich dorthin hinauf  waren die Formalitäten rasch erledigt und jeder wartende Randonneur bekam noch den einen oder anderen Stich in Spich verpasst- die Mücken waren auch schon wach und hatten auf uns gewartet.

Unter den ca. 30 Starten der frühen Gruppe war @Hajo Eckstein mit dem Velomobil und ein weiterer Liegeradler (Dein Name fällt mir nicht ein, sorry).

Punkt vier ging es los, der Pulk aus RRlern lag bald hinter mir und ich bald danach hinter Hajo, dessen langsam pulsierendes Rücklich im Wald vor mir langsam verschwand. Aber wir sollten uns doch noch einmal kurz sehen an diesem Tag.

Der angekündigte Regen ließ erst einmal auf sich warten und so früh am Feiertag war das dicht besidelte Stück bis Odenthal schnell ud problemlos bewältigt. Der Anstieg von Altenberg nach Blecher ließ sich auch nicht schlecht an und bald danach ging es auf der Balkantrasse weiter aufwärts. In Wermelskirchen geriet ich wieder einmal auf den Überweg über die B51 statt auf den begleitenden Radweg- an diese Stelle hatten mich dann die schnellsten Rennradler wieder eingeholt.

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Hinter Lennep ging die Sonne auf

Auf der rasanten Abfahrt nach Wuppertal überholte ich ein paar von ihnen wieder, aber auf der Nordbahn zogen noch mehr Randonneure an mir vorbei. -ausgerechnet an dem Drängelgitter, um das herum ich schob, verließ der Track die schöne Bahntrasse wieder, und ich merkte es erst nach ein paar hundert Metern- also noch zwei mal überflüssigerweise aussteigen 😦

Als ich dann endlich bei Ikea aus dem Wuppertal herausgeklettert war, gönnte ich mir eine Toilettenpause, einen Kaffee und ein leckeres Croissant bei einer Tankstelle.

Dann kam die geniale Abfahrt nach Witten, die ich von vorangegangenen Brevets als schier endlosen Schlussanstieg kannte- so herum machte es richtig Spaß! Langsam ware einige Auos unterwegs, aber der Verkehr war wirklich sehr moderat.

Hinter Dortmund verlor ich irgendwo den Track und geriet auf parallele feuchtigkeitsgebundene Wege mit Drängelgittern und

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Die Eartungsklappe war wieder ein Segen!

Schikanen. Hier fiel dann einmal die Kette vorne ab. Dank Wartungsklappe war das Schaltwerk schnell vorgespannt und die Kette wieder drauf. Allerdings überkam mich das Bedürfnis, mich noch kurz ins Gebüsch zu verziehen und „in die Nesseln zu setzen“.

Auf dem letzten Stück Wegs nach Olfen nahm der Track eine widerliche Variante mit einem löcherigen, steinigen Feldweg der mich zu lauten Schipftiraden veranlasste. Zum Glück hörte mich ja keiner. Hinter der Kontrolle in Olfen hatte ich mir ein paar velomobilaffine Straßen ausgesucht, aber gleich das erste Stück war abgesperrt. In der Tankstelle wurde ich aber beruhigt, die Straße ist fertig, nur die Markierungen fehen noch, und selbst mit dem Auto komme man an den Gittern vorbei. Und so lief es auf dem neuen Asphalt auf wunderbar. Entgegen Paffis Ansprache wurde im Münsterland jeder mögliche Anstieg mitgenommen und so gab es kurz vor Billerbeck noch einmal ein richtiges Steilstück. Der beleibte Rennradler, den ich dort traf war (noch?) kein Radonneur, der war ja selbst bergauf fast noch lagsamer, als ich. Irgenwo verpasst ich wieder einen Abzweig und geriet in eine aktive Baustelle…

So langsam kam ich in heimische Gefilde. Vor Ochtrup versiegt aber der Flüssigkeitsstrom aus meiner Trinkblase (die ich wegen der Anstiege im ersten Abschnitt auch nicht ganz voll gemacht hatte). Das verschaffte mir eine kurze Trink- und Tankpause am Bikerterff Felsenmühle. Dass die Variante zwischen Ochtrup und Bad Betheim, auf die ich neugierig war, weil ich mich anhand der Karte nicht erinnerte dort jemals langgefahren zu sein, über den MühlenBERG ging braucht ja niemnden mehr zu wundern.

In Bentheim wurde ich von einem unserer Freunde abgefangen, dem meine Liebste den Link zu Strava-Beacon weitergeleitet hatte- eine nette Übrraschung. Und so kurz vor dem heimischen Stall rannte der Vogel noch einmal so richtig gut.

Die Kontrolle in Nordhorn dauerte 10 min. weil eine kleine Schlange an der Kasse stand. Einige Randonneure kamen und gingen in dieser Zeit. Ich bog  gleich ab zum Mitagessen zu Hause- ein besonderer Luxus während eines Brevets.

Nach einer Stunde ging es weiter auf die zweite Hälft des Brevets bzw. ins zweite Drittel meiner Tour. Bis Rütenbrock fuhr ich auf bekannten Straßen geradeaus in Nordrichtung und traf dort wieder auf den Track. Auch diese Straßen kannte ich aus der Zeit wieder, wo ich Freitags nach Feierabend in Leer mit dem Rennrad nach hause gefahren war. Damals brauchte ich fast eine Stunde länger. In Leer wurde gerade (ca. 18:00h) die Jan-Berghaus-Brücke für ein Segelboot hochgeklappt.

Als es weiterging  kam mir ein Velomobil entgegegen! Hajo war schon lange wieder auf dem Heimweg- ich sollte dort erst nach sechs weiteren Stunden wieder durchkommen- dann aber in der Nacht immer wieder selber entgegenkommende Randonneure treffen- die meisten wohl aus der Startgruppe um 9:00h.

In Emden geriet ich mit der angezeiten ersten Version des Tracks noch einmal in eine Wirtschaftswegsbaustelle und kam dann hinter Emden raus, sodass ich zu meiner Kontrolle dann noch ein paar Kilometer zurücktadeln durfte. Ein alkoholfreies Weizen und indische Linsensuppe weiter ginge es dann durch Ostfriesland. der Track ging mitten durch die kleine Strässchen in Greetsiel an den Hafen. Als es dann aber unbefestigt den Deich entlang weitergehen sollte habe ich gewendet und die Straße genommen.

Schön war das Bild der vielen bunten Drachen in Norddeich am Strand. Ein Zielfoto am Bahnhof, bei dem mir eine junge Frau half und ihr Handy mit der Uhrzeit ins Bild hielt: Sie hätte mich ja heute morgen schon in Spich gesehen. Und dann kam auch schon ihr Liebster mit dem Rennrad vom Bahnsteig gerollt und sie luden sein Rad ins Auto …

Kurz vor 21:00, schnell etwas essen und trinken und dann ab nach Hause- ABER erst im dritten Lokal gabe es noch etwas aus der Küche- eine Krabbensuppe und Milchreis mit Abfelmus und Zimtzucker sollten es sein.

Danach dämmerte es draußen, ich zog mir eine langes Trikot über und den Buff wieder auf den Kopf und macht mich auf den Heimweg.

In Emden umging ich die Baustelle und fuhr mitten durch die ruhige Stadt. Zwischen Leer und Rhede kamen immer wieder Randonneure entgegen, teils einzeln, teils in kleinen Grüppchen. 24 Stunden nach dem Start hatte ich noch etwa 60 km vor mir und wurde doch ziemlich müde. Also an die Seite gefahren und ein Nickerchen gemacht (30min?). Bei Sustrum hatte ich zum verschnaufen eine Einfahrt links der Straße angepeilt und dabei mit dem Boden aufgesetzt. Das Kratzen schallte laut durch die Nacht. Kurz darauf kam (um 2:00Uhr morgens!) ein Mann mit seiner Taschenampe an: er habe etwas gehört, war sowieso noch wach und nachsehen ob etwas passiert sei? Nett! aber bei mir war ja alles in Ordnung.

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Die Baustelle der neuen Umgehung Nordhorns in der Morgendämmerung

Kurz vor daheim fing es links im Osten schon wieder an zu dämmern, die Vögel begannen mir Durchahlteparolen zuzurufen und kurz vor fünf war ich dann nach fast ganz genau 600 gefahrenen Kilometern zu Hause, froh über eine warme Dusche und mein Bett.

BRM 400 Wuppertal „Westfalenland“ 14.04.2018

Ca. 50 Randonneure hatte sich (nicht soo schrecklich) früh morgens in der Bäckerei Evertzberg eingefunden und warteten geduldig auf Andreas.
Dies sollte mein erster 400er mit der Liege statt im Velomobil werden und ich war etwas nervös. Die Routinen, was wohin gepackt und griffbereit ist lassen sich nicht einfach übertragen.
Immerhin hatte ich so gutes Wetter bestellt, dass Andreas das ganze angeblich wieder absagen wollte 😉
Hajo kam gleichzeitig mit mir am Start an, aus der liegenden Fraktion war noch Thomas aus Köln mit einer blitzsauberen grünen Speedmachine am Start (die 10 Jahre sieht man dem Rad wirklich nicht an; „ich putz gerne“). Von den aufrechten Kämpen kommen mir inzwischen auch einige Gesichter bekannt vor.

Die ersten Etappen durchs Bergische und das nördliche Sauerland waren traumschön. Der Aufstieg nach Lennep durch das Seitental ist soo viel schöner, als die Hauptstraße, die ich bisher kannte! Und danach lange Strecken auf den tollen Bahnradwegen- wunderbar!
Thomas und ich waren vom Start weg zunächst ganz am Schluss und ähnlich schnell. Gleich im ersten Anstieg legte ich mich auf einem schlammigen Stück einmal kurz ab. Eigentlich war nicht viel passiert, aber der Lenker hatte sich innerhalb des Basisrohrs des Tiller verdreht und verrutschte fortan sehr leicht. Also eine Übung im Separieren von Bein- und Armmotorik, weil ziehen zu komischen Reaktionen das Rades führen konnte.
So war ich wohl der allerletzte bei der ersten Kontrolle nach nur 38km und fast zwei Stunden, zu der Andreas schnell mit dem Auto gefahren war- bei dem Profil war er wohl tatsächlich schneller, als Hajo im df ;-). Thomas war noch vor Ort, als ich kam und telefonierte mit Andreas‘ Handy herum- er hatte unterwegs sein eigenes Handy aus der Tasche verloren (es wurde aber wieder gefunden und seine Frau hat es noch am selben Tag wieder abgeholt). Nach zwei Stunden kann mal auch schon einmal eine Stulle essen und einmal durchschnaufen. Andreas bot Süßkram und Cola an, darauf hatte ich zwar keine Lust- aber vielen Dank für das Angebot!

Der nächste Anstieg nach Großfastenrath (diese Ortsnamen die ganze Zeit, herrlich! Aber nicht einmal in Anschlag ist etwas Schlimmes passiert;-) war dann ein Stück lang ziemlich steil, ließ sich aber gut fahren und langsam kam die Sonne durch den Dunst. Gut, dass ich bei der Pause schon an die Sonnencreme gedacht hatte.
Als ich bei der zweiten Kontrolle in Altena ankam, winkten mich noch einige Randonneure heran. Der liegende Tomas war auch dabei. Wir brachen gemeinsam auf und fuhren zunächst einmal zusammen bis Fröndenberg. Die Dame in der Touristen-Info war sehr nett und redselig. z.B. darüber, wie rasant Hajo wieder davongeprescht war. Wir konnten uns dann aber doch noch losreißen. In Menden hatten wir mit den Tracks zunächst Schwierigkeiten, den Übergang über die Bahn richtig zu finden (Andreas‘ Wegbeschreibung war im Nachhinein auch hier wunderbar genau und einfach;-) Die Abfahrt über die verschlungene Rampe müsste eigentlich von Slartibartfast stammen.
Die Hügel wurden sanfter und kürzer. Auf dem Haarstrang war ein ganz tolles Licht; die Sonne schien durch einen leichten Dunst. Dadurch war die Sicht getrübt, aber beispielsweise schienen bei Werl (?) große weiße Gebäude fast geheimnisvoll aus der Ferne herüber.

Etwa bei km 150 meinte Thomas dann, ich bräuchte nicht auf ihn zu warten, ich sei ja doch etwas schneller (und er fühlte sich wohl unter Druck gesetzt, mehr zu geben, als sich für ihn gut anfühlte und das schlug ihm auf den Magen).
Kurz vor der Kontrolle in Büren warf ich einen Blick aus Andreas‘ Wegbeschreibung und bekam einen Schreck: dort steht als Zeitlimit für die vierte Kontrolle ein Zeitfenster von 12:11 bis 16:50. 16:50 habe ich dann mit Hängen und Würgen geschafft- aber wo war die Stunde Zeitreserve geblieben, wo es doch gut lief???
In die Brevetkarte gedruckt stand dann aber 13:02 bis 19:24 und damit war meine Welt wieder in Ordnung. Ich fand das sehr nette Café Stilbruch links vom Track. Irgendwie fühlte sich das wie der Wendepunkt an, auch wenn es bis zum Imbiss in Paderborn noch fast 30 offizielle km waren.

Naja, kurz danach hatte ich die Farbspiele verschiedener Wegkategorien mit dem Track verwechselt und eine Extratour um den Flugplatz Lippstadt/Paderborn gedreht. So konnte ich Thomas noch einmal überholen. War dann aber mit meinem Gyrosteller mit Reis schon ziemlich fertig, als auch er bei dem Trojaner eintrudelte. Einige Rennradler waren noch da, als ich ankam und brachen kurz vor mir auf.

Also alleine in die Dämmerung und die hereinbrechende Nacht. Nachdem wir auf der ersten Hälfte Schiebewind aus westlicher Richtung hatten, kam es jetzt doch nicht zu Gegenwind. Er hatte auf Ost gedreht.
Die Münsteraner Ortsteile Wolbeck und besonders Hiltrup waren mit den teils recht verrotteten Radwegen eher blöd zu fahren. Zum Glück war praktisch kein Verkehr mehr und es pochte niemand mehr auf die Radwegbenutzung.

Nach Nottuln dauerte es danach doch noch überraschend lange. An einem zugeschrankten Bahnübergang holte ich dann ein Trio Rennradler ein, die schon etwas abgekämpft wirkten. Bei der Kontrolltanke bekam ich zwar- sofort mitbestellt- einen Kaffee, aber kein Plätzchen im warmen, also bin ich nach dem Kaffee den RRlern hinterher über die Straße noch kurz nach Mitternacht bei McD eingekehrt. Ob man es vor 5:00 Uhr schaffen könnte? Fast 5h für 90km klingt ja nicht nach viel. Ich war aber skeptisch.

Beim Losfahren fielen die ersten Regentropfen, ohne dass das groß gestört hätte. In einem der nächste Orte stand einer der RRler und haderte mit seinem Pech- der dritte Platten am Hinterrad, sein letzter Reserveschlauch … Ich hatte keine passenden Schläuche (oder besser noch Mäntel ?!) dabei und konnte auch sonst nicht wirklich helfen, also weiter und nicht festfrieren.

Vor Dortmund zog ich dann doch die Regenklamotten drüber, auch es damit wärmer wurde. Kurz vor der City schlug ich denselben falschen Haken, den ich mit dem Velomobil schon bei einem früheren Brevet gemacht hatte erneut. Am Ortseingang von Witten aß ich noch einmal ein paar Nüsse und sah, dass die Batteriewarnung am Rücklicht blinkte. Also habe ich an der nächsten 24h-Tankstelle Ersatzbatterien gekauft.
Der Anstieg hinter Witten ließ sich dann erstaunlich gut fahren. Wie beim letzten Mal hatte ich aber wieder den Eindruck, dass der Anstieg kein Ende nähme und eigentlich an der Einmündung in die B234 gefälligst aufhören könnte. Außerdem fing es dann doch an, richtig zu schütten. Mit Brille keine Sicht mehr, also ohne Brille mit dem Wind in den Augen abgefahren. Nicht so lustig.

5:46 war ich dann im Ziel. Immerhin war es noch dunkel. Es gab aber schon frische Croissants. Im Regen zum Auto, umziehen und erst einmal etwas schlafen. Dann einen Ausweg aus dem OBI-Parkplatz suchen, dessen Ein-und Ausfahrten „plötzlich“ verriegelt waren. Zum Glück fand sich ein Ausweg über einen Bordstein und halb durch eine dort unbepflanzte Rabatte und ohne Sachbeschädigung.

Fazit:

Eine tolle Strecke. Hat echt Spaß gemacht- Danke Andreas!

-Die Liege ist eigentlich tatsächlich brevettauglich.
-Ob die Druckstelle an der Innenkante des rechten Schulterblatts vom Sturz oder der Schieflage durch Benutzung nur einer relativ schweren Satteltasche links kommt muss ich noch herausfinden.
-Die Klickpedalen, besonders links müssen noch einmal fester eingestellt- oder ausgetauscht- werden.
-die Klemmung des oberen Lenkers  im Basisrohr des Tillers muss dringend überarbeitet werden.
-das Bordwerkzeug muss für lange Brevets um die Stirnlampe ergänzt werden. Schwein gehabt!
-Nie wieder ein Parkplatz der zwischendurch abgeriegelt wird.

BRM 300 Niederrhein 24.03.2018

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Auch Ostern liegt schon wieder fast zwei Wochen zurück und das Brevet war der Einstieg in meine Osterferien. Die Zeit war so voll, dass ich nicht zum Schreiben gekommen bin. Vor dem 400er am kommenden Wochenende möchte ich trotzdem versuchen, ein paar Erinnerungen festzuhalten. Da ich ein paar Bilder gemacht habe erscheint das nicht ganz aussichtslos.

Ich hatte das Milanmutterschiff Freunden ausgeliehen, die mit mehreren Personen verreisen wollten und hatte angekündigt, mit dem Sturmvogel von Bonn nach Twisteden an- und nach dem Brevet weiter nach Nordhorn abzureisen.
Das Wetter sollte kalt, erfreulicherweise aber schön werden, aber auch bei Schietwetter hätte ich das Ding so durchziehen müssen. Jedenfalls hatte ich alles nötige dabei.

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Immerhin konnte ich so ausprobieren, dass kurz-kurz zumindest tagsüber im Velomobil schon ging.
Zwischen Wesseling und Meschenich schloss ein dick eingemummelter Pendler mit einem schnell elektrifizierten Scorpion mit Streamer zu mir auf. Wir plauschten über ein paar km, in Meschenich hatten wir etwas andere Wegführungen und dahinter nahm er den linksseitigen Radweg. Da zog ich dann langsam davon. Ich fuhr auf dem Track, den ich sonst von Nordhorn nach Bonn genommen habe und sah von daher einige Ecken zum ersten Mal bei Tageslicht 😉
Insgesamt lief es aber sehr zäh! Für etwas über 140km benötigte ich fast fünf Stunden und fand es durchaus anstrengend.
Nachdem ich das Hotel (Stadthotel am Bühnenhaus in Kevelaer) ohne Probleme wiedergefunden hatte habe ich noch die zweite Nacht von Samstag auf Sonntag hinzugebucht- nach dem Brevet nachts noch die 140km nach Hause anzuschließen fand ich vor Ort nicht mehr erstrebenswert. In dem Hotel war ich 2015 schon vor dem 600er, den ich mit mehreren gerissenen Speichen abgebrochen hatte. Auch an die Empfehlung zum Steak im „Alt Derp“ habe ich mich rechtzeitig erinnert und mir ein Rib-Eye „lady cut“ gegönnt. Und so gerade eben ges20180323_205844chafft.

Auch der neue Eigentümer des Hotels ließ Sturmvogel in der Garage übernachten. Am nächsten Morgen sollten wir aber so früh an den Start rollen, dass es dort noch kein Frühstück gab. Dafür hatte Moni* im Sportlerheim in Twisteden wieder Kuchen und Kaffee satt aufgefahren. Bei dem schönen Wetter waren von den angemeldeten ca. 120 auch tatsächlich gekommen, so dass wie üblich vier Startgruppen im 5-Minuten-Abstand auf die Strecke geschickt wurden.

*Die andere Moni 😉

 

Es waren einige Liegeradler am Start, u.a. Norbert (@Norfiets) auf seinem Bachetta. Jana (@limette91) hatte am Vortag einen Felgenbruch an ihrer Liege und ist stattdessen mit dem Trike gestartet. Außerdem waren wir vier Velomobile, außer mir Hartmut mit einem gelben df (NICHT @Guzzi!) und zwei Quests, die wie ein eingespieltes Team wirkten.

Nach dem Start hinten in der letzten Gruppe rollten wir Velonauten recht bald auch die vorderen Startgruppen auf und nach ein paar km ließen Hartmut und ich auch die Questanten hinter uns. Irgendwann habe ich ihn überholt, er blieb aber dran und nach ein paar gemeinsamen Foto- und Pinkelpausen hatte ich den Eindruck, wir passten eigentlich vom Tempo ganz gut zusammen. Nach dem Anstieg in den Wald in der Veluwe machten wir eine gemeinsame Rast. Als es kurz danach rechts ab nach Uddel hinunterging (warum bin ich nicht auf der Straße gefahren sondern auf dem schmalen kurvigen Radweg geblieben???) habe ich Hartmut verloren. Kurz danach war die erste Kontrolle in Elburg. Ich habe ein lange Pause gemacht, im einem Café an der Hauptkreuzung draußen in der Sonne gesessen (!!! ;-), einen leckeren Burger und Bauerfritten gegessen (Risiko, ist mir aber gut bekommen) und lange auf Hartmut gewartet. Irgendwann kamen auch die Questpiloten, saßen aber woanders und schließlich bin ich alleine wieder aufgebrochen.

 

Entlang dem Veluwemeer war es wunderschön, der Frühling lag schon in der frischen Luft, das Licht war herrlich und ich kam ganz gut voran.
In Nijkerk war die zweite Kontrolle, wieder als sog. freie Kontrolle, d.h man kann sich seinen Stempel irgendwo im Ort suchen. Nun auf dem Track bin ich an dem Stadtzentrum zuerst vorbeigefahren, habe dann einen Um- Rückweg durch drempelige Wohnstraßen gemacht und schließelich an einem Supermarkt ausgestiegen. Der Kiosk davor hatte keinen Kaffe, aber Softeis. Naja die Quittung davon sollte als Nachweis reichen.

Bei Rhenen über den Nederrijn und als ich an den Waal kam, lag die Abend-sonne im Rücken und tauche alles in ein warmes Licht.

Auf der Autobahnbrücke der A50 kreuzte der Track dann den Waal und es würde langsam dämmrig, dann dunkel.
Etwa hier war dann meine Trinkblase leer. Eigentlich lief es ganz gut, aber die ganze restliche Strecke ohne zu trinken war dann doch keine gute Vorstellung. Immerhinrechnete ich mir aus gegen 22:00 im Ziel sein zu können. Im nächsten Ort machte ich dann einen Fehler bei der Auswahl des Lokals zum Wassertanken. Ich bin in ei reataurant, wollte höflich sein und habe einen Kaffe und ein Stück Appelgeback bestellt- und geschlagen 20 Minauten darauf gewartet. In der Wrtezeit rauschte eine große Gruppe Rennrad-Randonneure draußen vorbei- die ich dann bis ins Ziel nicht wieder gehen habe. Das war ärgerlich.

Also war es deutlich später, als ich ins Ziel kam. René von meinem Winterpokalteam die Velonauten war tatsächlich mit seiner Tochter Caroline (mit stummem –e!) gekommen und so gab es einen besonders herzlichen Empfang und ein nettes Pläuschchen.

Gegen Mitternacht war ich wieder an meinem Hotel. Natürlich war da alles dunkel, so dass ich Sturmvogel seine Plane überzog und ihn am Rand der Zufahrt abstellte. In meinem Zimmer fand ich dann aber den Garagenschlüssel liegen! Also noch einmal raus und in die Garage mit ihm. Am Garagentor hing dann – nicht zu übersehen, wenn man bis dahin gefahren wäre, dieses Willkommenszeichen:

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Am Sonntag habe ich ausgeschlafen, das Frühstück genossen und bin ohne Problem nach Nordhorn gekommen. Auch dabei konnte ich mich an Ausblick freuen, die ich bisher allenfalls bei Vollmond genossen hatte.

Schließlich kam ich fast gleichzeitig mit meiner lieben Frau zu Hause an, die an diesem Tag von ihrem Norseekurlaub zurückkehrte.

Brevets in 2018

Brevet 300km Berg. Land ab Wuppertal 17.3.18

Am Samstag der arktischen Peitsche hatte Andreas wieder nach Wuppertal zum Brevet geladen. 70 hatten sich angemeldet, 25 hartgesottene Randonneure waren tatsächlich gekommen.
Sturmvogel und ich hatten im Hotel Imperial ein günstiges und einfaches Quartier unmittelbar am Start gebucht. So ging es schon Freitag Nachmittag mit einem Zwischenstop in Burscheid los. Die Gegend ist mir prinzipiell aus Jugendjahren bekannt, die Strecke ab Spich noch von P-HH geläufig. Aber Spich Dellbrück Odenthal ist mir alles zu viel Verkehr und geAmpel. Ab Burscheid dann Balkantrasse, jetzt auch in Wermelskirchen den Wiedereinstieg gefunden. Da hatten wir ja letztes Jahr drei Milane die Böschung hochgetragen.
Die 90 km von Bonn ins Bergische rauf hatte ich schon on den Beinen gespürt. Aber die lange Merinowäsche war in der Nacht wieder getrocknet und so ging es am Samstag früh zur Bäckerei an den Start. Es war kalt und windig und hatte ein kleines Bisschen geschneit.
Während des Randonneursplauschs und Frühstücks schneite es auch weiter…

Hajo warnte, dass die Absperrungen an der Radbahntrasse in Solingen mit dem VM schwierig zu umfahren seien- bis auf eine Stelle bin ich tatsächlich gaaanz langsam durchgerollt. Dann murmelte er noch etwas von B51 und so hat er es dann wohl auch gehalten.
Am Einstieg in sie Nordbahntrasse bin ich erst einmal vorbeigerauscht. Selbst auf dieser steilen Rampe hatte mein Hinterrad mit dem Conti Winterreifen ausreichend Grip. Diese Bahntrasse war herrlich zu fahren. Es kam uns sogar ein kleines Räumfahrzeug entgegen.
Um Solingen herum war es dann wegen der Engstellen deutlich mühsamer. Ein Schreckmoment war auf einer relativ steilen weißen Stelle vor eine Brücke- die hatte in der Mitte einen Pfahl. Beim Bremsen blockierten die Vorderräder und der Vogel fing an auf den Pfahl zuzurutschen. Bremse auf, sanft nachgefasst und es ging alles gut. Dafür, dass die Primo Comet, die ich seit PHH mit nur einem Durchstich vorne drauf habe als rutschgefährdet gelten, bin ich mit ihnen sehr zufrieden.
Nach der Abfahrt nach Leichlingen hatte ich das erste Mal kalte Füße und Finger. Auf der Rheinfähre saßen wir zu dritt in der Kajüte, aßen unsere Stullen uns ich hörte die Geschichte vom Superrandonnée Belchen satt bei 35°C. Das machte fast wieder warm.
Danach hatte ich erwartet, gut voranzukommen. Trotz Rückenwinds, der mir immer wieder ein paar Schneeflöckchen unter der Haube durchblies war das jedoch eine Illusion. Es blieb bei dem stetig langsamen Anstieg zäh.
Nach K1 ging mein Handy aus- und nach dem Einstöpseln der Powerbank lief es nicht wieder hoch. Also das neue Garmin 1000 aktiviert, das immer noch nicht festgeklettet werden kann (ein echtes hand held), auf das ich nur wenige Tracks in dem .fit-Format einzeln laden kann- und dann werden die alten zum Teil gelöscht.
Nach passieren der holländischen Grenze habe ich erst einmal einen Riegel vorgelegt, das der Anstig zum Drielandenpunt für mich grenzwertig steil ist weiß ich ja schon. Mit einer kurzen Verschnaufpause und einem Gel gings aber ganz gut. Ich habe mir wieder einen pannenkoeken met ham en kaas gegönnt, wie auf meinem ersten 300er 2015 ab Twisteden. Diesmal dauerte das aber nicht so ewig. Da ich auch die Abfahrt schon kannte, zog ich mit Fleecejacke, zwei Buffs und langfingrigen Handschuhen so viele Klamotten an, wie noch nie im VM- und behielt zumindest die Jacke auch bis Wuppertal an. Als ich meinen Vogel wieder klar machte, fiel mir am Hinterrad etwas Merkwürdiges auf:

Ein seltenes Exemplar von
(Schw)Eis(s)zapfen!
OK, innen war das übliche Kondensat auch im Aggregatzustand: fest.
Nun denn, bis ich in Eupen war hatte ich mir gefühlt schon wieder zwei Stücke Kuchen verdient.
Dann kamen noch die Hügelchen bis zur Abfahrt in die Rheinebene. Hinter Düren war meine Trinkblase leer, eine Tankstelle leuchtete durch die Dämmerung. Eine Suppe hätte ich gerne gehabt, stattdessen gab’s die letzte Bockwurst aus dem Dämpfer, die mir nicht soo gut bekam.
Dafür war es ziemlich bis richtig dunkel, als ich auf dem Weg zwischen Autobahn und ICE-Trasse langgesaust bin. Nett! Und dank trinitas auch sichere Sicht.
Nun kam wieder die große Stadt näher. Andreas hatte ja zwei Tage vor dem Start noch einen korrigierten Track geschickt, weil der Radweg auf der Nordseite der Leverkusener Brücke derzeit gesperrt ist. Nach meinem Gefühl ging die Sperrung aber schon auf einer der zuführenden Nebenstraßen los, sodass ich mich im Dunkeln mit dem dauernd dazwischen rumrechnenden Osmand bis zur Brücke durchschlagen musste. Das hat echt gedauert. Auf der anderen Rheinseite standen zwei RRler und flickten „schon wieder“. Die Route durch den Park war verriegelt. Trotz ungefährer Kenntnis der Topografie hat es einige Extrakurven gebraucht, mich in Richtung Opladen wieder auf den Track zu bringen.
Also dann: die gesamte Balkanstrecke am Stück- die brauchte das, was mir als Volldampf noch möglich war.
Auf der Abfahrt nach Wuppertal hinunter holte ich noch drei der Rennradler ein und war um 1:00 Uhr in der früh im Ziel.
Andreas bewirtete uns wieder fürstlich mit seinen köstlichen Crèpes und bis 3:00 waren bis auf einen alle Randonneure wieder im Ziel (gleich nach dem Start mussten zwei wegen Defekten aufgeben).
Dann hatte ich mich soweit erholt, dass ich die Rückfahrt nach Bonn wieder antreten konnte. Für das erste, steile Stück aus dem Wupper-tal nach Lennep benötigte ich noch einmal einen Verschnaufer, die Abfahrt von Dreibäumen über Dabringhausen und Altenberg auf den Spuren meiner Jugend habe ich sehr genossen. Hinter Odenthal fing es wieder an zu schneien und so ging die 300er Wintertour nach 490 geradelten km stimmig zu Ende. Um 7:00 war ich müde und zufrieden wieder in Godesberg.

Beim 300er am kommenden Wochenende ab Twisteden soll es ja frühlingshaft und flach werden- ob mich das schneller macht, wird sich zeigen.

Fazit: Winterliche Temperaturen im VM gehen ganz gut. Jedenfalls ohne Panne.
Riesenrespekt vor den Rennradlern, die Kälte und Wind ohne Carbonhülle ausgehalten haben!
Eine Brotdose mit Stullen, vier Bananen, 3l Apfelschorle, zwei Stücke Kuchen ein Pfannkuchen, zwei Riegel, zwei Gels.
Im Ziel 3 Tees, ein bleifreies Weizen zwei Crèpes.
Die Bahnradwege machen Touren im Stadtbereich wesentlich besser erträglich- und sind im Bergischen wegen der gleichmäßigen Steigungen echt ideal.