Pleiten, Pech und Pannen

Mein erneuter Versuch einen 300er zu finishen.

In diesem Jahr habe ich einen Startplatz für LEL erhalten und beschäftige mich viel mit der Vorbereitung. außerdem wurmt mich, dass ich 2016 kein 300e Brevet abgeschlossen habe, weil mir immer wieder etwas dazwischen gekommen ist. Marita und Thomas Ritter aka dieVelonauten haben den Titel Randonneur 5000 längst in ihrem Trophäensaal.

Also nahm ich mir vor, in diesem Jahr wieder eine komplette Brevet Serie zu fahren. Dabei ist es gar nicht so leicht, die Termine in den Kaleder zwischen berufliche und familiäre Termine zu bekommen.

Der 200er in Münster lief ja- bis auf die scheinbar unvermeidlichen Reifepannen.
Der 200er im Emsland, von meinem Verein RSC Lohne ausgerichtet, war in diesem Jahr eine familieninterne Sache, die hier nicht weiter ausgeführt werden braucht.

Gestern war nun der 300er im Bergischen Land, mit Start in Troisdorf und vielen Höhenmetern in Eifel und Westerwald. Hajo hatte seinen sehr schönen Bericht im Velomobilforum schon gepostet, als ich noch meinte, die erfolgreiche Ankunft sei mir sicher. Er ist der schnellste und sicher einer der erfahrensten und besonnesten Brevetfahrer, den ich kenne.

Aber der Reihe nach: Berichte von diesem Brevet hatte ich schon gelesen und wusste, worauf ich mich gefasst machen musste. Bei der Wettervorhersage war dies als zweites Brevet mit der offenen Liege überhaupt aber keine Option. Es galt einiges auszuprobieren:
– der mir noch unbeannte Startort (mit Umwegen gefunden, dafür habe ich mich später praktisch nicht mehr verfahren).
– die neuen Laufräder mit „Kühltürmen“ an den Bremstrommeln und den hoffentlich pannensicheren UND schnellen schlauchlosen Schwalbe proOne. Dazu erstmals einen Kojak hinten.
– meine aktuelle Kondition und Gelassenheit beim Bergauffahren- wenn ich mein Schwergewicht dieSteigungen hochwuchte.

Wenige 100 Meter vor dem Startort und (noch so eben) in der Zeit, um vor dem Gruppenfoto auch noch meine Brevetkarte abholen zu können, wurde ich von einem Auto gerammt, dass langsam rückwärts aus seiner Einfahrt kommt, großes gelbes U- Boot? helle Lichtkanone? laut brüllender Fahrer? alles egal.

20170422_064559
Nach dem Unfall

Da die Fahrerin zum Glück sehr langsam rangierte, ist mir nicht passiert, aber Sturmvogel hat Dellen, Kratzer und Anbrüche in der Karosserie abbekommen, schien aber noch fahrtüchtig zu sein.

Die Fahrerin war total geschockt, die musste ich ert einmal aufbauen und in den Arm nehmen. Bei der eindeutigen Situation die ich auch mit Beildern dokumentierte einigten wir uns erst einmal auf: keine Polizei.

Schon auf der Anfahrt von Bad Godesberg nach Troisdorf ab kurz nach 6:00Uhr (brrr) zum Start, bei leichtem Regen und feuchter Fahrbahn, kam ich in einem Kreisverkehr ins Rutschen, obwohl ich bei dem normalen Tempo derartiges von meine sonst benutzten Reifen nicht erwartet hätte. Das konnte ich rechtzeitig abfangen und merkte es mir…

Dann hatte ich das Waldstadion endlich gefunden und die Randonneure stande schon alle versammelt und scharrte mit den Hufen. Die Details zu Baustellen hörte ich wohl- allein als Ersttäter hatte ich bei den meisten Ortsnamen keine Vorstellung davon, wo und wann ich da vorbeikommen sollte.

Als die meisten schon auf und davon zogen ging ich mit Rainer Paffrath und Harald Hammer noch einmal ins Sportlerheim und holte meine Brevetkarte ab.  Rainer fragte mich noch, ob ich einer von den schnellen oder den langsamen sei. Wenn keine Pannen dazwischenkommen eher von den schnellen, war meine – otimistische Antwort. Die Anstiege kannte ich ja noch nicht.

So gegen 7:15 saß auch ich dann in meinem Vogel und hatte einen Nachzügler, vor mir, der mir das Navigieren aus Troisdorf raus etwas einfacher machte. An der Rheinbrücke war ich dann alleine und versuchte erstmals diese zu queren- mit Wende in vier Zügen in der schmalen Spitzkehre auf der Ostseite.

Dann lief es erst einmal gemächlich bergauf, nach 25km in Üllekoven ein erster steiler Anstieg, und da war ich schon nicht mehr allein. An der Tankstelle in Weilerswist hatten manche schon eine echte Krise, weil ihr Garmin nur diese erste Etappe geladen hatte und sie jetzt auf ihren Mitfahrer angewiesen waren. Es dauerte bis in dieser Gruppe die Stimmung wieder besser wurde.

Die nächste Kontrolle war in Effelsberg bei dem riesigen Radioteleskop,20170422_110309 da hatten wir den höchsten Punkt der Tour schon hinter uns, an der Steinbachtalsperre vorbei ging es lange und zum Teil recht steil bergauf. Hier überholten mich (natürlich 😉 etliche RR-ler wieder.

Beim Aussteigen in Effelsberg hatte ich schon den Eindruck, rechts vorne sei wenig Druck und vor der Weiterfahrt war klar, da war ein deutlicher Druckverlust.
Hmmm: tubeles heißt, es gibt keinen Schlauch den man wechseln oder flicken könnte. Theoretisch soll ja die Pannenmilch den Reifen immer wieder abdichten, man muss nur nachpumpen- na dann los!
Bei den folgenden Abfahrten hatte ich also zwei Gründe, vorsichtig und zurückhaltend zu fahren- die Reifenhaftung bei Feuchtigkeit und den immer wieder absinkenden Lufdruck mit Untersteuern in Rechtskurven. Also gewöhnte ich mir an, immer mal nachzupumpen, besonders bevor ich mich nach einem Anstieg wieder in die Abfahrt stürzen konnte. Trotz dieser Zurückhaltung sagt mein Garmin, hätte ich irgendwo kurzfristig 104 km/h auf dem Tacho gehabt (mein neuer Rekord ;-). Der kleine Bordtacho registrierte immerhin noch 96.

Kurz vor dem Laacher See wurde es fast hell. Hier machte ich ein ordentliches Picknick und diese schönen Bilder:

Nach der erneuten Rheinüberquerung in Neuwied war mal wieder Aufpumpen angesagt.
Nanu, während des Pumpen hielt sich der Druck mal gerade bei 4 bar- zu wenig zm Weiterfahren, also Plan B: Schluss mit tubeless und einen Schlauch einziehen.
Mindestens eine halbe Stunde habe ich gebraucht um den Mantel aus der Felge zu bekommen, welch für die Luftdictigkeit eine spezielle Nut hat, in die der Reifenwust gepresst wird- aber holla!
Ein Anwohner bot mir seine Hilfe an, ich könnte ruhig auch klingeln kommen, er sei noch eine Weile zu Hause- der erste einer ganzen Reihe außergewöhnlich freundlicher und hilfsbereiter Menschen, die mir an diesem Tag begegnet sind.

Schließlich lief es wieder und bis Isenburg stieg es so sacht an, dass ich richtig flott unterwegs war. An der Ampel unterhalb der Burgruine stand schon ein Randonneur auf dem Rennrad und murmelte etwas von „jetzt geht es gleich richtig hoch“- nach Stromberg. Und wie recht hatte er. Nun, ich kurbelte mich mit offenem Lukendeckel auf dem kleinen Kettenblatt hinauf und überholte einen weiteren RRler, der in der Serpentine eine Trink- und Verschnaufpause macht und dann trotzdem nicht wieder herankam. Ein neues -kleines- Problem: der Bremszug, mit dem der Lukendeckel vorne anschlägt verlor jetzt nicht mehr nur gelegentlich ein einzelnes Drähtchen, sondern es brache die meisten Drähtchen auf einmal. Also die nächsten Anstiege (zum Glück war der härteste ja nun geschafft) mit per Hand (weniger weit) aufgehaltenem Luk gefahren, das ging auch.
Dem Westerwald kannte ich vorher so gut wie überhaupt nicht. Das Wortspiel mit den Wetserwellen drängte sich mir auf, immer wieder (gefühlt jedenfalls) steil bergauf und nur manchmal gelang es mit dem Schwung eine Kuppe zu überfliegen.

Vor der nächsten Kontrolle in Montabaur kamen wir durch Ransbach- Baumbach, es war kurz vor sechs und ich hatte Hunger. Nudeln schwebten mir vor, also ein (italienisches?!) Restaurant suchen – und mit Mr. Le keine 200m von der Strecke einen Chinesen gefunden, bei dem ich zur Erbauung des Kochs nicht nur eine wirklich große Portion gebratener Nudel bekam, sondern auch verputzte. Die Portion gebackenen Bananen zum Nachtisch war ann auchwieder sehr üppig. Kurz darauf  Montabaur, bei der Kontrolle war ich 20 min über die Zeit, gut dreißig km Westerwelle später in Hachenburg war das noch so geblieben, aber es war ja noch viiieeel Zeit bis ins Ziel und sollte in der Tendenz ja bald auch anfangen, meist  bergab zu gehen. Nur das Ziel vor 23:00 Uhr im Ziel noch das von Rainer Paffrath ausgelobte Freibier abzuholen konnte ich dort abschreiben. Aber Beine, Lust und Laune waren gut.

Bis
ja bis es rechts vorne wieder rumpelte, jetzt also die bekannte Übung den Schlauch zu wechseln- normalerweis eine Sache von 12 -15 Minuten.
Normalerweise.
Der Mantel ging wieder nicht aus der Felge.
Partout nicht!
Nicht und nicht, auch nicht mit dem Trick mit dem Schraubenzieher statt Reifenheber, der in Neuwied geklappt hatte.
Also die Harry Potter- Nummer durchziehen: zerrrreißen, zerrrfetzen, zerrrschneiden.
Verdammmt zäh das Ding!

Und dann: neuer Schlauch, Reservereifen und der will nicht auf die Felge.
Der Reifenheber schafft es nicht. das freie Stück wandert rund um das Rad herum.
Zwischendurch hält eine Art Abschleppwagen, grell bunt beleichtet, wohl ein alter Ami-Truck. Der hatte 10km vorher schon gewendet und nachgefragt, ob ich Hilfe bräuchte, als ich nur eine Pinkelpause machte.

Nun hatte er seinen Kumpel weggebracht und bot mir nochmals seine Hilfe (mitnehmen, in der heimischen Werkstatt…) an, die ich mit meinem Randonneursstolz natürlich nicht angenommen habe „ich bin in 20 min fertig“ Pah!
Aber er fährt ja Oldtimer, z.B. eine Vorkriegs-Harley und weiß, wie das ist, mit ner Panne. Großartiger Mensch!

Es war ja wenig Autoverkehr und ich hatte mir zum Reparieren eine Stelle ausgesucht, an der die schnurgerade Staße etwas breiter war. Rücklicht hinten und Batterielampe nach vorne sicherten mich gut sichtbar ab. Und etwa jedes dritte Auto hielt an und bot Hilfe an. Wirklich sehr sehr nette Leute da im Westerwald!

Irgendwann machte es bei den Bemühungen mit dem Mantel leise pffft. Ich hatte dann DOCH mit dem Reifenheber ein Loch in den ehemals neuen Schlauch gezwickt. Also flicken, DAS konnte ich immer noch.
Insgesamt habe ich dot sicher länger als eine Stunde herumgewerkelt. Dann Blaulicht von hinen! Hier ist die Polizei!
Jemand von den Vorbeifahrern hatte einen Rollerfahre gemeldet, der auf der Straße liege- wohl einer, der mich nicht gefragt hatte, wie es mir geht.
Nunja: ich müsse von der Straße runter. Außerdem war ich frustriert und fror inzwischen in fast 400m Höhe in der sternenklaren Nacht. Also überredete ich einen der beiden zu einem letzten Versuch mit zwei Reifenhebern und –
der (metallverstärkte) Reifenheber knicjte durch. Also Abbruch.

Der Sturmvogel wurde abseits der Staße geparkt und dann durfte ich in dem warmen Polizeiauto- jetzt ohne Blaulicht bis nach Rossbach mitgenommen und durfte drin sitzen bleiben, bis ich eine Taxifirma gefunden hatte, die bereit war mich dort aufzusammeln und nach Godesberg zu bringen.

Das war eine unterhaltsame Fahrt von einer guten Stunde zum üppigen Festpreis (160,-(. Der Fahrer, ein Berufsfeuerwehrmann, war froh, keine Teenies von der Kirmes nach Hause fahren zu müssen und erzählte und erzählte.

Tja um zwei war ich in der Badewanne und bald schlief ich tief und fest.

Fazit:
Pro1 tubeless sind schnell, aber ob das mene Technik bleibt, wird sich am Freitag entscheiden, wenn ich mit  ein paar Telefontips vom Laufradbauer entweder klar komme- oder eben nicht.
Eigentlich bin ich ziemlich fit und komme mit dem Vogel eigentlich jede Straße herauf, die zumindest die Mittelgebirge zu bieten haben.
Brevets sind und bleiben ein Abenteuer (jetzt auch auf Strava).

Am nächsten Wochenende gibt es schon wieder mehr davon, als Team in der Sternfahrt nach Eisenach bis zur Wartburg.

Ich werde berichten.

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