Zum Baden ans Meer; die etwas andere Vatertagstour

Strava Screenshot

Den Himmelfahrtstag hatte ich bis eine Woche vorher nicht auf dem Schirm. Am Wochenende davor erfüllte ich Rainer Paffraths Bitte, die ARAL-Tankstelle in Nordhorn zu fragen, ob sie wieder als Kontrolle zur Verfügung zu stehen wollte.
Und bekam Lust, die lange Zeit bis zum 600er am 31. Mai mit einem Zwischenbrevet zu füllen. Ich bekam auch die Startfreigabe von meiner Liebsten und Rainer akzeptierte die Nachmeldung.

Also konnte ich Pläne schmieden. Ich war ja schon öfter mit dem Sturmvogel zwischen Nordhon und Bonn gependelt. Diesmal käme noch ein kleiner Umweg und eine neue Stecke hinzu. Und am Ende stünden 600 km auf meinem Konto bim Bonner Stadtradeln…

Früh aufstehen war auch angesagt. 4:00h früh Start heißt bis 3:30 die Brevetkarte abholen, heißt 2:30 in Godesberg losrollen… Dabei ließ ich mich von Routing der OSMand App auf dem Handy leiten und lernte einige enge Kurve und schmale Staßen in Bonn und Troisdorf kennen. Ich muss wirklich öfter in Spich starten, damit ich das Waldstadion alleine finde.
Also nach dem steilen Stich dorthin hinauf  waren die Formalitäten rasch erledigt und jeder wartende Randonneur bekam noch den einen oder anderen Stich in Spich verpasst- die Mücken waren auch schon wach und hatten auf uns gewartet.

Unter den ca. 30 Starten der frühen Gruppe war @Hajo Eckstein mit dem Velomobil und ein weiterer Liegeradler (Dein Name fällt mir nicht ein, sorry).

Punkt vier ging es los, der Pulk aus RRlern lag bald hinter mir und ich bald danach hinter Hajo, dessen langsam pulsierendes Rücklich im Wald vor mir langsam verschwand. Aber wir sollten uns doch noch einmal kurz sehen an diesem Tag.

Der angekündigte Regen ließ erst einmal auf sich warten und so früh am Feiertag war das dicht besidelte Stück bis Odenthal schnell ud problemlos bewältigt. Der Anstieg von Altenberg nach Blecher ließ sich auch nicht schlecht an und bald danach ging es auf der Balkantrasse weiter aufwärts. In Wermelskirchen geriet ich wieder einmal auf den Überweg über die B51 statt auf den begleitenden Radweg- an diese Stelle hatten mich dann die schnellsten Rennradler wieder eingeholt.

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Hinter Lennep ging die Sonne auf

Auf der rasanten Abfahrt nach Wuppertal überholte ich ein paar von ihnen wieder, aber auf der Nordbahn zogen noch mehr Randonneure an mir vorbei. -ausgerechnet an dem Drängelgitter, um das herum ich schob, verließ der Track die schöne Bahntrasse wieder, und ich merkte es erst nach ein paar hundert Metern- also noch zwei mal überflüssigerweise aussteigen 😦

Als ich dann endlich bei Ikea aus dem Wuppertal herausgeklettert war, gönnte ich mir eine Toilettenpause, einen Kaffee und ein leckeres Croissant bei einer Tankstelle.

Dann kam die geniale Abfahrt nach Witten, die ich von vorangegangenen Brevets als schier endlosen Schlussanstieg kannte- so herum machte es richtig Spaß! Langsam ware einige Auos unterwegs, aber der Verkehr war wirklich sehr moderat.

Hinter Dortmund verlor ich irgendwo den Track und geriet auf parallele feuchtigkeitsgebundene Wege mit Drängelgittern und

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Die Eartungsklappe war wieder ein Segen!

Schikanen. Hier fiel dann einmal die Kette vorne ab. Dank Wartungsklappe war das Schaltwerk schnell vorgespannt und die Kette wieder drauf. Allerdings überkam mich das Bedürfnis, mich noch kurz ins Gebüsch zu verziehen und „in die Nesseln zu setzen“.

Auf dem letzten Stück Wegs nach Olfen nahm der Track eine widerliche Variante mit einem löcherigen, steinigen Feldweg der mich zu lauten Schipftiraden veranlasste. Zum Glück hörte mich ja keiner. Hinter der Kontrolle in Olfen hatte ich mir ein paar velomobilaffine Straßen ausgesucht, aber gleich das erste Stück war abgesperrt. In der Tankstelle wurde ich aber beruhigt, die Straße ist fertig, nur die Markierungen fehen noch, und selbst mit dem Auto komme man an den Gittern vorbei. Und so lief es auf dem neuen Asphalt auf wunderbar. Entgegen Paffis Ansprache wurde im Münsterland jeder mögliche Anstieg mitgenommen und so gab es kurz vor Billerbeck noch einmal ein richtiges Steilstück. Der beleibte Rennradler, den ich dort traf war (noch?) kein Radonneur, der war ja selbst bergauf fast noch lagsamer, als ich. Irgenwo verpasst ich wieder einen Abzweig und geriet in eine aktive Baustelle…

So langsam kam ich in heimische Gefilde. Vor Ochtrup versiegt aber der Flüssigkeitsstrom aus meiner Trinkblase (die ich wegen der Anstiege im ersten Abschnitt auch nicht ganz voll gemacht hatte). Das verschaffte mir eine kurze Trink- und Tankpause am Bikerterff Felsenmühle. Dass die Variante zwischen Ochtrup und Bad Betheim, auf die ich neugierig war, weil ich mich anhand der Karte nicht erinnerte dort jemals langgefahren zu sein, über den MühlenBERG ging braucht ja niemnden mehr zu wundern.

In Bentheim wurde ich von einem unserer Freunde abgefangen, dem meine Liebste den Link zu Strava-Beacon weitergeleitet hatte- eine nette Übrraschung. Und so kurz vor dem heimischen Stall rannte der Vogel noch einmal so richtig gut.

Die Kontrolle in Nordhorn dauerte 10 min. weil eine kleine Schlange an der Kasse stand. Einige Randonneure kamen und gingen in dieser Zeit. Ich bog  gleich ab zum Mitagessen zu Hause- ein besonderer Luxus während eines Brevets.

Nach einer Stunde ging es weiter auf die zweite Hälft des Brevets bzw. ins zweite Drittel meiner Tour. Bis Rütenbrock fuhr ich auf bekannten Straßen geradeaus in Nordrichtung und traf dort wieder auf den Track. Auch diese Straßen kannte ich aus der Zeit wieder, wo ich Freitags nach Feierabend in Leer mit dem Rennrad nach hause gefahren war. Damals brauchte ich fast eine Stunde länger. In Leer wurde gerade (ca. 18:00h) die Jan-Berghaus-Brücke für ein Segelboot hochgeklappt.

Als es weiterging  kam mir ein Velomobil entgegegen! Hajo war schon lange wieder auf dem Heimweg- ich sollte dort erst nach sechs weiteren Stunden wieder durchkommen- dann aber in der Nacht immer wieder selber entgegenkommende Randonneure treffen- die meisten wohl aus der Startgruppe um 9:00h.

In Emden geriet ich mit der angezeiten ersten Version des Tracks noch einmal in eine Wirtschaftswegsbaustelle und kam dann hinter Emden raus, sodass ich zu meiner Kontrolle dann noch ein paar Kilometer zurücktadeln durfte. Ein alkoholfreies Weizen und indische Linsensuppe weiter ginge es dann durch Ostfriesland. der Track ging mitten durch die kleine Strässchen in Greetsiel an den Hafen. Als es dann aber unbefestigt den Deich entlang weitergehen sollte habe ich gewendet und die Straße genommen.

Schön war das Bild der vielen bunten Drachen in Norddeich am Strand. Ein Zielfoto am Bahnhof, bei dem mir eine junge Frau half und ihr Handy mit der Uhrzeit ins Bild hielt: Sie hätte mich ja heute morgen schon in Spich gesehen. Und dann kam auch schon ihr Liebster mit dem Rennrad vom Bahnsteig gerollt und sie luden sein Rad ins Auto …

Kurz vor 21:00, schnell etwas essen und trinken und dann ab nach Hause- ABER erst im dritten Lokal gabe es noch etwas aus der Küche- eine Krabbensuppe und Milchreis mit Abfelmus und Zimtzucker sollten es sein.

Danach dämmerte es draußen, ich zog mir eine langes Trikot über und den Buff wieder auf den Kopf und macht mich auf den Heimweg.

In Emden umging ich die Baustelle und fuhr mitten durch die ruhige Stadt. Zwischen Leer und Rhede kamen immer wieder Randonneure entgegen, teils einzeln, teils in kleinen Grüppchen. 24 Stunden nach dem Start hatte ich noch etwa 60 km vor mir und wurde doch ziemlich müde. Also an die Seite gefahren und ein Nickerchen gemacht (30min?). Bei Sustrum hatte ich zum verschnaufen eine Einfahrt links der Straße angepeilt und dabei mit dem Boden aufgesetzt. Das Kratzen schallte laut durch die Nacht. Kurz darauf kam (um 2:00Uhr morgens!) ein Mann mit seiner Taschenampe an: er habe etwas gehört, war sowieso noch wach und nachsehen ob etwas passiert sei? Nett! aber bei mir war ja alles in Ordnung.

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Die Baustelle der neuen Umgehung Nordhorns in der Morgendämmerung

Kurz vor daheim fing es links im Osten schon wieder an zu dämmern, die Vögel begannen mir Durchahlteparolen zuzurufen und kurz vor fünf war ich dann nach fast ganz genau 600 gefahrenen Kilometern zu Hause, froh über eine warme Dusche und mein Bett.

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