BRM 400 Wuppertal „Westfalenland“ 14.04.2018

Ca. 50 Randonneure hatte sich (nicht soo schrecklich) früh morgens in der Bäckerei Evertzberg eingefunden und warteten geduldig auf Andreas.
Dies sollte mein erster 400er mit der Liege statt im Velomobil werden und ich war etwas nervös. Die Routinen, was wohin gepackt und griffbereit ist lassen sich nicht einfach übertragen.
Immerhin hatte ich so gutes Wetter bestellt, dass Andreas das ganze angeblich wieder absagen wollte 😉
Hajo kam gleichzeitig mit mir am Start an, aus der liegenden Fraktion war noch Thomas aus Köln mit einer blitzsauberen grünen Speedmachine am Start (die 10 Jahre sieht man dem Rad wirklich nicht an; „ich putz gerne“). Von den aufrechten Kämpen kommen mir inzwischen auch einige Gesichter bekannt vor.

Die ersten Etappen durchs Bergische und das nördliche Sauerland waren traumschön. Der Aufstieg nach Lennep durch das Seitental ist soo viel schöner, als die Hauptstraße, die ich bisher kannte! Und danach lange Strecken auf den tollen Bahnradwegen- wunderbar!
Thomas und ich waren vom Start weg zunächst ganz am Schluss und ähnlich schnell. Gleich im ersten Anstieg legte ich mich auf einem schlammigen Stück einmal kurz ab. Eigentlich war nicht viel passiert, aber der Lenker hatte sich innerhalb des Basisrohrs des Tiller verdreht und verrutschte fortan sehr leicht. Also eine Übung im Separieren von Bein- und Armmotorik, weil ziehen zu komischen Reaktionen das Rades führen konnte.
So war ich wohl der allerletzte bei der ersten Kontrolle nach nur 38km und fast zwei Stunden, zu der Andreas schnell mit dem Auto gefahren war- bei dem Profil war er wohl tatsächlich schneller, als Hajo im df ;-). Thomas war noch vor Ort, als ich kam und telefonierte mit Andreas‘ Handy herum- er hatte unterwegs sein eigenes Handy aus der Tasche verloren (es wurde aber wieder gefunden und seine Frau hat es noch am selben Tag wieder abgeholt). Nach zwei Stunden kann mal auch schon einmal eine Stulle essen und einmal durchschnaufen. Andreas bot Süßkram und Cola an, darauf hatte ich zwar keine Lust- aber vielen Dank für das Angebot!

Der nächste Anstieg nach Großfastenrath (diese Ortsnamen die ganze Zeit, herrlich! Aber nicht einmal in Anschlag ist etwas Schlimmes passiert;-) war dann ein Stück lang ziemlich steil, ließ sich aber gut fahren und langsam kam die Sonne durch den Dunst. Gut, dass ich bei der Pause schon an die Sonnencreme gedacht hatte.
Als ich bei der zweiten Kontrolle in Altena ankam, winkten mich noch einige Randonneure heran. Der liegende Tomas war auch dabei. Wir brachen gemeinsam auf und fuhren zunächst einmal zusammen bis Fröndenberg. Die Dame in der Touristen-Info war sehr nett und redselig. z.B. darüber, wie rasant Hajo wieder davongeprescht war. Wir konnten uns dann aber doch noch losreißen. In Menden hatten wir mit den Tracks zunächst Schwierigkeiten, den Übergang über die Bahn richtig zu finden (Andreas‘ Wegbeschreibung war im Nachhinein auch hier wunderbar genau und einfach;-) Die Abfahrt über die verschlungene Rampe müsste eigentlich von Slartibartfast stammen.
Die Hügel wurden sanfter und kürzer. Auf dem Haarstrang war ein ganz tolles Licht; die Sonne schien durch einen leichten Dunst. Dadurch war die Sicht getrübt, aber beispielsweise schienen bei Werl (?) große weiße Gebäude fast geheimnisvoll aus der Ferne herüber.

Etwa bei km 150 meinte Thomas dann, ich bräuchte nicht auf ihn zu warten, ich sei ja doch etwas schneller (und er fühlte sich wohl unter Druck gesetzt, mehr zu geben, als sich für ihn gut anfühlte und das schlug ihm auf den Magen).
Kurz vor der Kontrolle in Büren warf ich einen Blick aus Andreas‘ Wegbeschreibung und bekam einen Schreck: dort steht als Zeitlimit für die vierte Kontrolle ein Zeitfenster von 12:11 bis 16:50. 16:50 habe ich dann mit Hängen und Würgen geschafft- aber wo war die Stunde Zeitreserve geblieben, wo es doch gut lief???
In die Brevetkarte gedruckt stand dann aber 13:02 bis 19:24 und damit war meine Welt wieder in Ordnung. Ich fand das sehr nette Café Stilbruch links vom Track. Irgendwie fühlte sich das wie der Wendepunkt an, auch wenn es bis zum Imbiss in Paderborn noch fast 30 offizielle km waren.

Naja, kurz danach hatte ich die Farbspiele verschiedener Wegkategorien mit dem Track verwechselt und eine Extratour um den Flugplatz Lippstadt/Paderborn gedreht. So konnte ich Thomas noch einmal überholen. War dann aber mit meinem Gyrosteller mit Reis schon ziemlich fertig, als auch er bei dem Trojaner eintrudelte. Einige Rennradler waren noch da, als ich ankam und brachen kurz vor mir auf.

Also alleine in die Dämmerung und die hereinbrechende Nacht. Nachdem wir auf der ersten Hälfte Schiebewind aus westlicher Richtung hatten, kam es jetzt doch nicht zu Gegenwind. Er hatte auf Ost gedreht.
Die Münsteraner Ortsteile Wolbeck und besonders Hiltrup waren mit den teils recht verrotteten Radwegen eher blöd zu fahren. Zum Glück war praktisch kein Verkehr mehr und es pochte niemand mehr auf die Radwegbenutzung.

Nach Nottuln dauerte es danach doch noch überraschend lange. An einem zugeschrankten Bahnübergang holte ich dann ein Trio Rennradler ein, die schon etwas abgekämpft wirkten. Bei der Kontrolltanke bekam ich zwar- sofort mitbestellt- einen Kaffee, aber kein Plätzchen im warmen, also bin ich nach dem Kaffee den RRlern hinterher über die Straße noch kurz nach Mitternacht bei McD eingekehrt. Ob man es vor 5:00 Uhr schaffen könnte? Fast 5h für 90km klingt ja nicht nach viel. Ich war aber skeptisch.

Beim Losfahren fielen die ersten Regentropfen, ohne dass das groß gestört hätte. In einem der nächste Orte stand einer der RRler und haderte mit seinem Pech- der dritte Platten am Hinterrad, sein letzter Reserveschlauch … Ich hatte keine passenden Schläuche (oder besser noch Mäntel ?!) dabei und konnte auch sonst nicht wirklich helfen, also weiter und nicht festfrieren.

Vor Dortmund zog ich dann doch die Regenklamotten drüber, auch es damit wärmer wurde. Kurz vor der City schlug ich denselben falschen Haken, den ich mit dem Velomobil schon bei einem früheren Brevet gemacht hatte erneut. Am Ortseingang von Witten aß ich noch einmal ein paar Nüsse und sah, dass die Batteriewarnung am Rücklicht blinkte. Also habe ich an der nächsten 24h-Tankstelle Ersatzbatterien gekauft.
Der Anstieg hinter Witten ließ sich dann erstaunlich gut fahren. Wie beim letzten Mal hatte ich aber wieder den Eindruck, dass der Anstieg kein Ende nähme und eigentlich an der Einmündung in die B234 gefälligst aufhören könnte. Außerdem fing es dann doch an, richtig zu schütten. Mit Brille keine Sicht mehr, also ohne Brille mit dem Wind in den Augen abgefahren. Nicht so lustig.

5:46 war ich dann im Ziel. Immerhin war es noch dunkel. Es gab aber schon frische Croissants. Im Regen zum Auto, umziehen und erst einmal etwas schlafen. Dann einen Ausweg aus dem OBI-Parkplatz suchen, dessen Ein-und Ausfahrten „plötzlich“ verriegelt waren. Zum Glück fand sich ein Ausweg über einen Bordstein und halb durch eine dort unbepflanzte Rabatte und ohne Sachbeschädigung.

Fazit:

Eine tolle Strecke. Hat echt Spaß gemacht- Danke Andreas!

-Die Liege ist eigentlich tatsächlich brevettauglich.
-Ob die Druckstelle an der Innenkante des rechten Schulterblatts vom Sturz oder der Schieflage durch Benutzung nur einer relativ schweren Satteltasche links kommt muss ich noch herausfinden.
-Die Klickpedalen, besonders links müssen noch einmal fester eingestellt- oder ausgetauscht- werden.
-die Klemmung des oberen Lenkers  im Basisrohr des Tillers muss dringend überarbeitet werden.
-das Bordwerkzeug muss für lange Brevets um die Stirnlampe ergänzt werden. Schwein gehabt!
-Nie wieder ein Parkplatz der zwischendurch abgeriegelt wird.

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